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Deutsch-Französische Wanderwoche in Mutters in Tirol vom 06. September 2020 bis 13. September 2020

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14. Deutsch-Französische Wanderwoche, Megéve, Mai 2007

Das Partnerschaftskomitee von Le Cannet lud die verschwisterten Königsteiner zur 14. gemeinsamen Wanderwoche ein, dieses Jahr nach Megève. Sonst ein eher exklusiver und teurer Wintersportort, bot das Städtchen mit seinen 4.500 Einwohnern im Mai ein beschauliches Bild. In einer Höhe von über 1.100 m liegen, eingebettet zwischen viel Grün, die hübschen, im Stil der Berge aus Naturstein und Holz gebauten Chalets.
Wie die Gäste bei einer Ortsbegehung am Sonntag erfuhren, gab's am kleinen Marktplatz früher zwei Rathäuser nebeneinander – wohl einmalig auf der Welt! Von zwei benachbarten Dörfern hatte jedes seine „Mairie“, die Bewohner lebten damals zu 70 % von der Landwirtschaft.
Das änderte sich Anfang 1900, als der „Club Alpin Français“ die Gegend für den Tourismus entdeckte. So richtig in Schwung und Mode kam Megève aber erst ab 1921, als eine Baronin von Rothschild auf dem „Mont d'Arbois“ ein Hotel errichten ließ, die französische Antwort auf den Schweizer Spitzen-Wintersportort St. Moritz. Bald gab es Skischule, Bobschlittenbahn, Eisfläche zum Schlittschuhlaufen und Curling und für den Sommer Tennisplätze und einen 9-Loch-Golfplatz. Die illustren Gäste blieben nicht aus: Könige, Filmstars, Schriftsteller, Maler und Politiker gaben sich ein Stelldichein. Heute erfreuen 300 km Pisten die Skifahrer, man kann auf einem kleinen Flugplatz landen, der Golfplatz ist auf 18 Loch gewachsen. Heute leben die Einwohner vom Tourismus, nur noch 10 % von der Landwirtschaft.
Erwähnenswert ist auch der Kalvarienberg mit seinen Kapellen und Stationen. Ein Pfarrer hatte im 19. Jahrhundert seine Ersparnisse in dessen Verwirklichung gesteckt und Spender mobilisiert. Die Entfernung und der Höhenunterschied zwischen der Kirche im Ort und der Heiligen Treppe sind genauso groß wir der Kreuzweg in Jerusalem und auch das Heilige Grab ist dem Original nachgebildet.
Am Montag fand die erste von vier geführten Wanderungen statt. Es hatte schon in der Nacht geschneit und schneite weiter, auf Wiesen und Dächern lag Schnee. Tapfer stapfte die kleine Wandergruppe durch Schnee und Matsch.
Auch am Dienstag gab's nasse Wanderungen. Die Laubbäume bogen sich unter dem schweren Schnee und die Wanderer versuchten, ihnen mit ihren Stöcken etwas Erleichterung zu verschaffen. Die Kühe mit wertvoll verzierten Halsbändern und Glocken suchten unter dem Schnee nach etwas Gras.
Der Mittwoch zeigte sich strahlend: Nach dem Grau in Grau ein tiefblauer Himmel ohne Wolken, schneebedeckte Berge ringsum und der Mont Blanc als schönster und höchster Berg wie ein riesiges schlafendes Tier! Ausgerechnet dieser Tag war „wanderfrei“, aber die wahren Wanderer organisierten ihre Tagestour selbst. Andere fuhren ins nahe Chamonix, um dort Fotos vom höchsten Berg Europas und seinen Gletschern zu machen, die in die Stadt hinein zu fließen scheinen. Einige ließen sich sogar mit der Seilbahn zur „Aiguille du Midi“ hinauf tragen, um dort in 3.842 m Höhe die wunderbare weiße Schnee- und Gipfelwelt aus nächster Nähe zu bestaunen.
Auch kulturelle Ziele lockten: In der Nähe von Megève in gut 1.000 m Höhe im Ort Passy steht eine um 1940 errichtete Natursteinkirche, die zahlreiche französische Künstler innen und außen ausschmückten: Léger, Chagall, Lipchitz, Bonnard, Rouault, Matisse, Braque und andere mehr. Einige besuchten auch Annecy, die mittelalterliche Stadt mit ihren Kanälen, Kirchen und dem Schloss, malerisch am gleichnamigen See gelegen.
Am Donnerstag, nicht mehr ganz so strahlend wie der Tag zuvor, aber trocken, hatten die drei Wanderführer nach „Les Contamines-Montjoie“ eingeladen, wo zwei von ihnen wohnen. Der kleine Ort liegt in einem Tal westlich vom Mont-Blanc-Massiv. Vom Talende führt eine alte Römerstraße über den „Col du Bonhomme“ über den Hauptkamm der Alpen. Die erste Wandergruppe wagte sich weit nach oben, auf dem Rückweg gerieten in Schlamm und Schneematsch selbst die Trittfestesten ins Straucheln. Die zweite Wandergruppe blieb unterhalb der Schneegrenze.
Nahe dem römischen Militär- und Handelsweg zeigten die Wanderführer eine üppig gelb blühende Orchidee „Sabot de Venus = Frauenschuh“, die begeistert fotografiert wurde. Später erfuhr man vom früheren Pfarrer, dass er sie dorthin gepflanzt hatte, sonst wächst sie nur in höheren Gefilden. Eine römische Brücke führt über den reißenden Fluss, der in der tiefen Schlucht über viele Wasserfälle zu Tale stürzt und an anderer Stelle eine Naturbrücke gebildet hat.
Mitten im Naturreservat, im Schatten einer Almhütte, wurde das mitgebrachte Picknick verzehrt. Die Wanderführer baten, nichts liegen zu lassen, auch keine Reste von Obst, „... sonst bekommen die Murmeltiere Bauchweh!“ Die Bergtiere seien gewohnt, ihre Nahrung selbst zu finden.
Am Freitag nieselte es fast den ganzen Tag aus tiefhängenden Wolken. Trotzdem wanderten die Unentwegten wieder, andere kauften auf dem Wochenmarkt in Megève wohlschmeckenden Savoyer Käse und Schinken.
Auch wenn die Reise als „Wanderwoche“ galt, fand jeder Möglichkeiten, sich anderweitig nach seinen Fähigkeiten und Interessen und dem Wetter zu beschäftigen. Die Abende verliefen alle im Sinne der Partnerschaft. Man unterhielt sich, teils französisch, teils deutsch, es wurden Lieder in beiden Sprachen gesungen, von Antje Strecker auf der Gitarre begleitet. Bei einem Karaoke-Abend entdeckte man neue Talente wie Harald Gruppe, Christine Hettrich, Chantal Irmen und Geneviève La Barre.
Am letzten Abend hieß es Abschied nehmen, und es gab viele Worte des Dankes: Der Gastgeber und Organisator Gaston Fischesser bedankte sich beim Hotel für gutes, abwechslungsreiches Essen und Service und bei den Teilnehmern für zahlreiches Erscheinen. Der Königsteiner Vorsitzende Dr. Reinhard Siepenkort war des Lobes voll über die kluge Wahl des Wandergebiets, Manfred Colloseus dankte im Namen der Teilnehmer dem Komitee und „last but not least“ sprach Dr. Walther Sambeth im Namen der Wanderer den Führern den Dank aus und hob hervor, dass man in der einen Woche alle vier Jahreszeiten erlebt hatte.

Iris Mensing

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