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Grenzland- und Burgenwanderung im Elsass 20. bis 22. Oktober 2015

Herbstliche Burgen-, Wein- und Kulturwanderung

Die lang geplante Kurzreise führte 24 Wanderfreunde vom 20. bis 22. Oktober ins Grenzland Deutschland/Frankreich. Per PKW erreichten wir das romantische Hotel „Moulin de la Walk" am Stadtrand von Wissembourg. Nur ein kurzer Blick auf die beiden großen (stillstehenden) Wasserräder der ehemaligen Walkmühle am rauschenden Fluss, dann ging's schon los auf Schusters Rappen: Erst einen schmalen Pfad bergauf durch den Wald, dann durch Weinberge zum „Deutschen Weintor" im Grenzort Schweigen. Das 18 m hohe Steintor wurde an Stelle eines hölzernen 1936 von den Nationalsozialisten errichtet. Es sollte die Pfalz als Weinbaugebiet bekannter machen. Gleichzeitig legte man die „Deutsche Weinstraße" von Schweigen bis Bockenheim an. Auf dem Walmdach stehen zwei Mohnkapseln aus Kupfer, Zeichen ewigen Wohlstands. Zur französischen Seite provozierte ein großer Reichsadler. Das Hakenkreuz in seinen Fängen hat man inzwischen herausgeschlagen. Unter dem großen gepflasterten Vorhof zur deutschen Seite hin befindet sich ein riesiger Weinkeller, der jedoch nicht mehr genutzt wird. Wir hatten eine Weinverkostung in der Gaststätte, die von der Winzergenossenschaft betrieben wird. Unsere einheimische Weinsachverständige erzählte nicht nur über die vier zu probierenden Weine und über das Weintor, sondern auch über die belastende Situation der Grenzbewohner, die mal Franzosen, mal Deutsche waren und in den Kriegen oft gegen ihre früheren Nachbarn kämpfen mussten.
Am folgenden Tag fuhren wir mit den Autos zum 30 Minuten entfernten Gimbelhof. Von dort startete der zwar nur 10 km lange Vier-Burgen-Weg, der aber wegen Steigungen und Abwärtsstrecken einiges an Kondition und Geschicklichkeit verlangte. Wengelnburg, Hohenburg, Löwenstein und Fleckenstein sind Felsenburgen, die wie die Meteoraklöster in Griechenland auf aus der Landschaft herausragenden Sandsteinfelsen erbaut wurden.
Wir hatten eine Führung auf Burg Fleckenstein, deren Gründung im Dunkeln liegt. Im 12. Jahrhundert wurde ein Gottfried von Fleckenstein erstmals urkundlich erwähnt als Reichsministerialer und erblicher Besitzer. Durch vier Tore hintereinander gelangt man in das Innere des Felsens, auf zwei steilen Treppen steigt man hinauf zur „Oberburg", die auf einem nur 6 bis 8 m breiten, aber 90 m langen Felsplateau lag. Es gab ein ausgeklügeltes Zisternensystem, einen Brunnenturm und Kräne aus Holz zum Hinaufbefördern von Materialien (nachgebautes Modell eines Tretkrans am Fuß der Burg). Die Burg wurde nie eingenommen, aber 1681 auf Befehl Ludwigs XIV. gesprengt. So ist sie heute, wie die anderen Burgen auch, Ruine. Das Geschlecht derer von Fleckenstein, das durch Heirat auch mit den Kronbergern verbunden war, starb 1720 aus. Im Eingangstor veranschaulicht die Kopie eines Gemäldes das ehemalige Aussehen der Burg, Im Inneren des Felsens, im sogenannten Rittersaal, steht ein hölzernes Modell. Heute ist die Gemeinde Lembach Besitzer der Burg. Nach umfassenden Renovierungsarbeiten (Mauern wurden ausgebessert, Geländer angebracht und eine neue breite Wendeltreppe in den Turm eingebaut) öffnete Fleckenstein 2002 die Tore für die zahlreichen Besucher. Wir genossen auf dem Felsplateau mit den Mauerresten ehemaliger Wohn- und Wirtschaftsgebäude die warme Herbstsonne und die schöne Aussicht auf die herbstlich bunte Landschaft.
Am letzten Tag durfte eine Stadtbesichtigung unseres vorübergehenden Wohnorts nicht fehlen. Wissembourg geht auf eine Klostergründung des 6. Jahrhunderts zurück. Das Benediktinerkloster lag auf einer Insel des Flüsschens Lauter. Es gab nur adelige Mönche, 400 waren es im 18. Jahrhundert.
Heute hat das Städtchen knapp 8.000 Einwohner und es gibt viele sehenswerte historische Gebäude: Das „Salzhaus" mit seinem Vierstufendach war ein zuerst Spital. Auf dem 480 m² großen Dachboden wurde die Wäsche getrocknet. Ein ehemaliges Gerberhaus von 1550 mit schönem Erker wurde Kulisse des Films „L'ami Fritz". Das älteste Fachwerkhaus wurde noch mit sog. Langbalken gebaut, sieht etwas einsturzgefährdet aus, ist aber noch bewohnt.
Wir hatten auch eine Verabredung zu einem Orgelkonzert in der Abteikirche St. Peter und Paul. Der romanische Glockenturm stammt noch aus dem 11. Jahrhundert, sonst ist die große Kirche mit dem hohen Gewölbe gotisch und hat wertvolle Glasfenster und Wandmalereien aus dem 14. und 15. Jahrhundert. Das 11 m hohe Fresko des heiligen Christopherus beeindruckt besonders. Die Orgel mit dem prachtvollen Barockgehäuse wurde nach langer Bauzeit von Louis Dubois fertiggestellt, nachdem vorherige Orgelbauer verstorben waren oder unfähig. Nach der Restaurierung 2012 erklingt die Orgel wieder in weichen und vollen Tönen, besonders geeignet für französische Kompositionen. Wir hörten vier solche. Auch unser Organist Manfred Brill versuchte sich an dem berühmten Instrument, das regelmäßig für Konzerte genutzt wird.
Vom ehemaligen Kloster Weißenburg ist außer dem Turm noch der hochgotische Kreuzgang geblieben. Dort befinden sich etliche Grabplatten adeliger Äbte. Berühmtester Mönch des Klosters war Otfrid von Weißenburg, der um 800 lebte und ein sogenanntes Evangelienbuch in Althochdeutsch schrieb. Da es vor ihm nur biblische Texte in Hebräisch, Griechisch oder Latein gab, kann er als Stammvater der deutschen Literatur bezeichnet werden.
An den drei Tagen hatten Dr. Walther Sambeth und Heinz Alter uns in bester Zusammenarbeit eine Grenzland-, Burgen-, Wander- und Kulturreise zusammengestellt, die Körper und Geist erfreuten und bereicherten. Dafür unser alle herzlichsten Dank!
Iris Mensing

 































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