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Pressespiegel


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1200 Kilometer sind für Freunde keine Entfernung

Frankfurter Rundschau vom 21.05.2002

Ein kalter Wind fegt durch die Wipfel des Kurparks. Regen nieselt auf eine festlich gestimmte Gesellschaft: Rund 140 Gäste aus dem südfranzösischen Le Cannet-Rocheville erwarten eigentlich eine "laue Maiennacht". Doch das Fest zum 30-jährigen Bestehen der Frendschaft zwischen den Städten an der Côte d'Azur und im Taunus versinkt am Samstag in Kälte und Feuchtigkeit.

Die Stimmung ist jedoch nicht trüb. Schließlich hat die Freundschaft über drei Jahrzehnte die Herzen für einander erwärmt und diese Wärme löscht kein Regenguss. Alle strahlen - vor allem auch die Königsteiner Ritter und das Gefolge des Burgfräuleins: Ihre schwere Kleidung lässt kein Frösteln aufkommen.

Erinnerungen und Zukunftspläne bestimmen die Gespräche. "Den Königsteinern war anfangs die Entfernung von 1200 Kilometern viel zu weit, um Le Cannet zur Partnerstadt zu wählen", sagt Elisabeth Somme, die von Beginn an dabei ist. Längst haben sich die Bürger beider Städte an die Entfernung gewöhnt. Heute freuen sich die Königsteiner sogar über einen Meilenstein mit der eingravierten Distanz, den die Franzosen als Gastgeschenk mitgebracht haben.

Einen Meilenstein haben die beiden Partner schon vor 30 Jahren mit dem Jugendaustausch gesetzt. Die Reiselust ist heute aber nur noch bei den Älteren ungebrochen. "Wir müssen wieder die Jugend gewinnen", sagt Gaston Fischesser. 30 Jahre führte er das Partnerschaftskomitee in Le Cannet. Jetzt gab er den Vorsitz an den 48-jährigen François Aigrot ab, seinen Einsatz für die Partnerschaft will er aber nicht einschränken: "Ich wollte einfach nicht mehr Vorsitzender sein." Der Nachfolger arbeitet bereits seit 15 Jahren mit: "Es ist zwar ein Generationenwechsel - aber einer mit Kontinuität". Ob Fischesser da viel Zeit bleibt, um sich auf der Gartenbank auszuruhen, die ihm die Königsteiner geschenkt haben?

Reinhard Siepenkort, seit 15 Jahren Chef des Königsteiner Komitees, sieht die Zukunft positiv: "Wir planen Schulprojekte, vermitteln Praktika für junge Leute und kümmern uns auch um Internet-Verbindungen". Die Jubiläumsfeier zur 30-jährigen Partnerschaft, die nächstes Jahr auch in Frankreich gefeiert wird, soll "der Jugend gewidmet sein".

Selbst nach 30 Jahren erlebt Gaston Fischesser immer wieder Überraschungen: "20 der mitreisenden Franzosen sind zum ersten Mal überhaupt in Königstein, und sie sind alle bei Familien untergebracht." Das sei das beste Signal dafür, dass die Städtefreundschaft funktioniere.

Beim offiziellen Empfang reden Bürgermeister Siegfried Fricke (CDU), seine französische Amtskollegin Michelle Tabarot und weitere Ehrengäste über die Zukunft Europas und die Städtefreundschaft. Und dann geht's in den Park, wo die Vereine ein buntes Programm bieten - bis ein Feuerwerk den nassen Himmel erhellt. nau

 

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