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Pressespiegel


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„Ein demokratisches Dach über den einzelnen Flächenstaaten schaffen“

Taunus-Zeitung vom 21.05.2002

Zukunft braucht Herkunft: Der Blick zurück auf die mehr als zwei Jahrtausende umspannenden Entwicklungsbögen, auf die zeitlosen Bemühungen um die Einheit des alten Kontinents weitet die Perspektive und schärft zugleich den Blick auf das Ziel des künftigen geeinten Europa. Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation, das Frankenreich Karls des Großen: Ihrem Anspruch nach waren beides Universalstaaten, die an ein gemeinsames Ideal anknüpften, das antike Imperium Romanum, das wiederum der Europäischen Union als Vorbild dienen kann.

Den facettenreichen historischen Bezirk schritt der Althistoriker und Archäologe Mario Becker in seinem Vortrag zum 30-jährigen Jubiläum der Städtepartnerschaft zwischen Le Cannet-Rocheville und Königstein ab. Dabei zeigte der Pädagogische Betreuer und Wissenschaftliche Mitarbeiter des Saalburgmuseums seinen französisch-deutschen Zuhörern im katholischen Gemeindezentrum Gemeinsamkeiten zwischen dem einstigen Weltreich und heute auf.

„Unter der Obhut Roms bezahlten die Menschen mit einer Münze, herrschte ein Recht, schrieb man in einer Schrift“, hob Becker hervor. „Den einzelnen Provinzen beließ man jedoch ihre eigene Sprache und Verwaltung, ihre Identität. Rund 100 Millionen Einwohner lebten unter der Pax romana in einem Staat zusammen, etwa 1,2 Millionen davon in dessen Metropole.“

Allerdings, das machte der Dozent für Alte Geschichte an der Frankfurter Universität am Beispiel Galliens deutlich, gründete sich die Macht Roms auf seinen Legionen, auf militärischer Eroberung. „Schritt um Schritt wurde die Bevölkerung romanisiert. Die überaus effiziente Verwaltung umfasste etwa 500 Beamte. Im Vergleich dazu: Die heutige EU hat rund 30000 Beamte“, stellte der Historiker fest. Nach dem Zerfall der Reichseinheit im Zuge der Völkerwanderung schuf erst Karl der Große ein ähnliches Gebilde, ehe das Heilige Römische Reich Deutscher Nation über mehr als neun Jahrhunderte die Idee des universalen Staates weitertrug.

„Ein Kaiser wie Otto III. verwandte den lateinischen Titel Imperator romanorum“, erläuterte der Referent den direkten Bezug zum untergegangenen, gleichwohl zur Idee gesteigerten römischen Reich.

Wenn es gelinge, ein demokratisches Dach über den einzelnen Flächenstaaten zu schaffen, dann gehe Europa in eine gute Zukunft, schloss Becker. Gerade Städtepartnerschaften seien ein positives Beispiel für diese Entwicklung.

 

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