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Pressespiegel


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Pianist begeistert mit seinem virtuosen Spiel

Taunus-Zeitung vom 21.10.2003

Mit vier Jahren wurde sein Talent entdeckt, mit sieben gab er sein Debüt als Solist mit Orchester und mit 19 zählte er beim renommierten Chopin-Wettbewerb in Warschau zu den 15 besten Chopin-Interpreten der Welt. Yorck Hardy Rittner aus Mörfelden-Walldorf ist trotz seiner Erfolge bescheiden geblieben. "Ich bin kein Wunderkind, ich habe lediglich eine große Begabung fürs Klavierspielen", sagt der inzwischen 22 Jahre alte Pianist, der zunächst am Mozarteum in Salzburg studierte und seine Studien zurzeit an der Berliner Musikakademie fortsetzt.

Dass diese Begabung überdurchschnittlich groß ist, erlebten rund 90 Zuhörer der Matinee im Hotel Sonnenhof, zu der der Förderkreis der Städtepartnerschaft Königstein für vergangenen Sonntag eingeladen hatte. Familie Rittner ist Mitglied im Förderkreis. Sie unterhält zudem ein Domizil in der französischen Partnerstadt Le Cannet, so dass die Verbindung zu Frankreich groß ist.

Die Ende des 19. Jahrhunderts erbaute ehemalige Villa Rothschild bot genau das richtige Ambiente für die Werke des Komponisten und Pianisten Frédéric Chopin (1810 bis 1849), der den grellen Konzertsaal mied und sich nur im großen Salon unter edlen Frauen und verstehenden Freunden dem Spiel hingab. Yorck Hardy Rittner hatte den Schwerpunkt aber auch deshalb auf Chopin gelegt, weil ihn der "gesangliche Charakter" und die "wunderschöne Melodik" dieser romantischen Musik faszinieren. Zudem bietet sie ihm den Freiraum, Nuancen zu schaffen und auszuleben. So wurden Chopins Stücke unter Rittners Händen zu bezaubernden Salon-Stücken, ohne deshalb in die Sphäre des Trivialen abzugleiten.

Den Walzer in Es-Dur (op. 18) mit seinen stupenden Fingerrepetitionen meisterte der junge Pianist ebenso bravurös wie das Scherzo h-moll (op. 20), das weder heiter noch scherzhaft, sondern einfach nur teuflisch schwierig ist. Dennoch perlten die Läufe, dass es ein Genuss war. Und die Mazurken und Nocturnes boten Rittner Gelegenheit, Chopins universellen Gedankenreichtum hörbar zu machen. Da wechselten meditative bis melancholische Töne mit stürmischen bis eruptiven Klangkaskaden, volksliedhafte Elemente folgten auf temperamentvolle, rhythmische Klang-Cocktails.

Nicht ganz so überzeugend gelang Rittner das Rondo D-Dur (KV 485) von Wolfgang Amadeus Mozart (1756 bis 1791), was sich zum Teil aber auch mit den technischen Unzulänglichkeiten des Kawai-Flügels erklären lässt. Deswegen hatte er die im Programm angekündigte Mozart-Sonate durch Ludwig van Beethovens (1770 bis 1827) Sonate in D-Dur (op. 10 Nr. 3) ersetzt, die er mit starkem architektonischen Sinn für die Baugesetze der Sonatenform des Komponisten darbot – souverän phrasiert, jedoch auch mit emotionalem Engagement, mit Feuer und Temperament.

Schließlich wagte sich Yorck Hardy Rittner an drei Stücke aus Franz Liszts "Études d'exécution transcendante" heran – ein Zyklus der extremen (klanglichen wie inhaltlichen) Widersprüche, des Changierens zwischen ungehemmter (virtuoser) Lust und kontemplativer Abgeschiedenheit, zwischen drängender Leidenschaft und zartbitterer Melancholie, den Rittner mit brillanter Technik und ungeheurer Fingerfertigkeit bewältigte. Bravorufe und heftigen Applaus gab es für dieses fulminante Spiel des jungen Interpreten, der vermutlich im nächsten Jahr in Le Cannet an der Côte d'Azur konzertieren wird. So wird über die Musik ein Brückenschlag zwischen den beiden Partnerstädten erreicht.

 

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