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Pressespiegel


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Städtepartnerschaft Königstein - Le Cannet: Aktuell engagiert und historisch bewusst

Taunus-Zeitung vom 17.03.2006

Über 60 Damen und Herren waren der Einladung zur Jahreshauptversammlung des Förderkreises der Städtepartnerschaft Königstein - Le Cannet gefolgt, um eine zweigeteilte interessante Sitzung bei einem gemütlichen Glas provencalischen Rotweins zu erleben. Im ersten Teil wurden die formalen Berichte zügig abgehandelt, während im zweiten Teil des Abends nach einem Impulsvortrag von Dr. Hermann Jakob Winter "Deutschland und Frankreich - zwei Völker gehen aufeinander zu" eine lebhafte Diskussion folgte.

In seinem Jahresbericht übermittelte der Vorsitzende, Dr. Reinhard Siepenkort, neben den Grüßen aus Le Cannet herzliche Glückwünsche zur Begründung der neuen Städtepartnerschaft Königsteins mit Kornik/Polen. Die jetzt vier Städtepartnerschaften seien ein besonderer kultureller und bereichernder Aspekt für die Bürger Königsteins.

Für den Förderkreis sind die deutsch-französischen Begegnungen auch im letzten Jahr von größter Bedeutung gewesen. Ein unvergessliches Zeichen der Freundschaft war die Einladung von Bürgermeisterin Michèle Tabarot zur Feier des 60. Jahrestages des Kriegsendes zum 8. Mai 2005: Franzosen, Amerikaner und Deutsche legten  gemeinsam Blumen des Gedenkens nieder. Ein Höhepunkt der Begegnungen war wieder die gemeinsame Wanderwoche mit diesmal 56 Cannetanern und Königsteinern in den französischen Südalpen. Seit 1993 finden diese Touren statt und haben sich damit zu einer beliebten Kernveranstaltung der Städtepartnerschaft unter der Leitung des Stellvertretenden Vorsitzenden, Dr. Walther Sambeth, entwickelt. Begegnungen der Jugend werden gern gefördert. So hat sich der Schüleraustausch zwischen dem Collège Les Campélières und der St. Angelaschule jährlich weiter gefestigt. Außerdem konnten zwei Praktika von Königsteiner Studenten zur Festigung ihrer Sprachkenntnisse vermittelt werden. Fünf Königsteiner Jugendliche entdeckten im September die Partnerstadt und die Cote d'Azur. Als politisch Interessierte führten sie ein Fachgespräch über Kommunalpolitik mit dem Verwaltungschef im Cannetaner Rathaus und wurden von Bürgermeisterin Tabarot herzlich empfangen. Erfreulich waren auch die Besuche der Cannetaner zum Burgfest und zum Weihnachtsmarkt, die auf die Initiative des Cannetaner Vorsitzenden, Francois Aigrot, zurückgingen.

Die Veranstaltungen auf Vereinsebene des Förderkreises dienen ebenfalls der Vertiefung des Städtepartnerschaftsgedankens. Hier sind zu nennen das sommerliche Lavendelfest, die herbstliche Wein-, Käse- und Olivenprobe, die laufenden Sprachkurse oder auch als Besonderheit die Radtour von fünf Königsteinern auf den höchsten Berg der Provence, den 1.905 m hohen Mont Ventoux, im September letzten Jahres auf Einladung des Stellvertretenden Vorsitzenden, Wolfgang Riedel, in Anlehnung an die unvergessenen "Tours de Jumelage" 1992 und 1998 von Königstein nach Le Cannet.

Für 2006 ist ein Jugendaustausch der Tanzschulen in Vorbereitung. Am Samstag, 22. April, werden die Gruppe "Danse et Jeunesse" aus Le Cannet und die Tanzschule Kratz sowie die Balletschule Teodorescu aus Königstein eine öffenliche Probe ihres Könnens im Großen Saal des Hauses der Begegnung geben. Nach einem Arbeitstreffen beider Komitees im Mai bei Mulhouse/Südelsass findet im Juni die 13. Deutsch-französische Wanderwoche, diesmal wieder in Deutschland, im Chiemgau statt. Es haben sich bereits 50 Cannetaner und Königsteiner angemeldet. Lavendelfest am 27. August und Weinprobe im Herbst sind weitere Programmpunkte. Bei genügendem Interesse wird eine Reise zum Karneval an der Cote d' Azur zu den berühmten Umzügen in Nizza und Menton für Februar 2007 vorbereitet.

Im zweiten Teil des Abends glänzte Förderkreismitglied Dr. Hermann Jakob Winter mit einer Kurzfassung der Geschichte Deutschlands und Frankreichs von der gemeinsamen historischen Basis im Frankenreich Karls des Großen bis zu den Bemühungen um eine gemeinsame Zukunft in der Europäischen Union unserer Tage. Er dankte besonders Francoise Menk, mit der er als französische Historikerin den Vortragstext abstimmen konnte. Über 1000 Jahre Geschichte wurden in einer halben Stunde des Vortrags lebendig: Von der Reichsteilung über den Hundertjährigen Krieg Frankreichs mit England, das Auftreten von Jeanne d'Arc, die Rolle der deutschen Kurfürsten und Kaiser, die Verwüstung der Pfalz durch Ludwig XIV., der Französischen Revolution, Napoleon, die deutschen Freiheitskriege bis hin zum "Trauma" des wechselvollen Schicksals Elsass-Lothringens und schließlich den beiden schrecklichen Weltkriegen. "Beide Länder erstarkten dann wirtschaftlich erstaunlich schnell, vor allem aber war die Einsicht obsiegend, dass die eigentlich historisch nur kurzzeitige staatliche Rivalität, aber auch all das, was man sich über Jahrhunderte durch Kriegszüge gegenseitig angetan hatte, schlechthin ein Wahnsinn war", konstatierte Dr. Winter und verwies weiter auf die gemeinsamen Wurzeln der beiden Nachbarn, ihre verflochtene Kultur im Lauf der Geschichte. "Unterschiedliche Traditionen und Unterschiede im Volkscharakter können eher ergänzend als trennend wirken, wenn das gegenseitige Verständnis sich frei entwickeln kann", betonte der Referent abschließend und wies den Städtepartnerschaften sowie persönlichen Bindungen eine besondere Rolle für den Friedenserhalt zu.

Waren es gerade diese persönlichen Bezüge, die die beiden geborenen Französinnen in der Diskussion veranlassten, ihr eigenes Erleben bezüglich der Einstellung zwischen den Franzosen und den Deutschen gestern und heute bewegend zu schildern. Gerade die erlebten Unterschiede im eigenen Urteil und im vorgegebenen Urteil durch Politik und Nationalismus auf beiden Seiten mahne zur äussersten Vorsicht gegenüber der Politik, war eine Schlußfolgerung. In der weiteren Diskussion kamen die Machtpolitiken der deutschen Kaiser und französischen Könige sowie das unterschiedliche Nationalgefühl und die jeweilige Einstellung zur eigenen Geschichte zur Sprache. In Frankreich bildeten sich schon früh zentralistische Elemente wegen der festen Bindung an den König heraus, während in Deutschland die föderativen Elemente wegen der Bindung der Vasallen an den jeweiligen Lehnsherren vorherrschten. Alles in allem ein anregender Abend, stellten die Teilnehmer fest und dankten es durch großen Applaus. Näheres auch unter www.le-cannet.de

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