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Pressespiegel


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Im Schlaraffenland der Freundschaft

Taunus-Zeitung vom 11.12.2006

Gute Freunde kann man nie genug haben. Vor allem dann nicht, wenn diese Freunde bei ihren Besuchen auch noch das Beste mitbringen, was der heimische Kühlschrank und der Weinkeller zu bieten haben. So gesehen hat Königstein in Le Mêle, Le Cannet, Königstein in Sachsen und Kurnik wohl die besten Freunde, die man sich wünschen kann. Schließlich hatten alle Partnerstädte pünktlich zum Wochenende Delegationen und Päckchen in die Kurstadt entsandt, um die Königsteiner und ihre Gäste nach allen Regeln der Kunst zu verwöhnen.

Da gab es Mohnstollen aus Sachsen, deftig-heiße Würstchen aus Polen, Weine aus der Provence und Weichkäse aus der Normandie, die in Kombination mit den deutschen Klassikern den Besuch auf dem Markt zum verlockenden Gang durch ein vorweihnachtliches Schlaraffenland machten. Beginnend an der Kur- und Stadtinformation zog sich die Budenstadt mit ihren über 70 Ständen durch den Kurpark bis hinauf zum Rathausvorplatz. Immer mitten drin und vorn dabei: die Königsteiner Vereine. Hier brutzelten die Plaschis Bratwurst, dort kredenzten die Mitglieder des DRK Glühwein und etwas weiter oben warteten die Sänger auf Kundschaft.

Während die meisten Vereine die Einnahmen des Weihnachtsmarktes gut gebrauchen können, um das Vereinsleben des Folgejahres zu finanzieren, hatten Uta Smits, die Präsidentin des Lions-Clubs Burg, und ihre Mitstreiterinnen die Einnahmen ihres Standes der Kinderklinik Höchst zugedacht. Seit seiner Gründung vor etwas über zwei Jahren fördert der Club bereits die Klinik und hatte sich in diesem Jahr zum
Weihnachtsmarkt noch himmlische Unterstützung an den Stand geholt. Ein „Rauschgold-Engel“ stand für eine kleine Spende zum vorweihnachtlichen Gruppenbild mit Himmelsboten bereit.

Ein Angebot, von dem auch die Mitglieder des Partnerschaftskomitees Falkenstein-Le Mêle gerne Gebrauch machten. Schließlich sind es gerade diese verspielt-romantischen Momente der Vorweihnachtszeit hierzulande, die Catherine Collin, Vorsitzende des Mêloiser Partnerschaftskomitees, und ihre Delegation so schätzen und aus ihrer französischen Heimat so auch nicht kennen. Im Gegenzug fürs Weihnachtsflair nach deutscher Art sind die Franzosen denn auch gerne bereit, in die normannischen Apfelbäume zu klettern, um dort mühsam jene Mistel-Büsche zu schneiden, die wiederum bei den Königsteinern so beliebt sind.

„Der Käse aus Le Mêle ist ein Gedicht, den kann ich wirklich nur empfehlen“, schwärmte derweil Königsteins Rathauschef Leonhard Helm (CDU), eine Plastiktüte mit frischem „Tome“-Käse in der linken, den Mistelzweig in der rechten Hand. Was ihm jetzt noch fehle, sei ein frisches Brot, dann sei der Genuss nach Art der Franzosen perfekt. Eine Brotzeit hatte sich der Rathauschef auch verdient, hatte er doch den Tag über nicht nur unzählige Hände geschüttelt und Gespräche geführt, sondern auch den Verkauf am Eine-Welt-Stand der katholischen Kirchengemeinde mitangekurbelt. „Irgendwie hatte ich den Eindruck, dass die Anwesenheit des Bürgermeisters schon verkaufsfördernd gewirkt hat“, schmunzelte Helm.

Wenn sich das herumspricht, wird der Rathauschef im kommenden Jahr womöglich von Stand zu Stand rotieren müssen, um Glühwein auszuschenken, Waffeln zu backen oder Adventskränze zu verkaufen. Gute Verkäufer kann man bekanntlich nie genug haben. Und das umso weniger, als die Vereine sich doch zunehmend zur Decke strecken müssen, um ausreichend Personal für die Standbesatzungen zu finden. Das weiß auch Marie-Charlotte Siepenkort vom Vorstand des Städtepartnerschaftsvereins Königstein-Le Cannet. „Viele von uns sind in mehreren Vereinen tätig. Da müssen wir aufpassen und uns zunehmend mit den anderen abstimmen, wenn es darum geht, die Arbeitspläne zu machen.“

Alles andere als motivierend für die ehrenamtlichen Helfer, so Siepenkort, seien dann auch noch abfällige Äußerungen einiger Marktbesucher, von denen ihr berichtet worden sei. Beschwerden über längere Wartezeiten oder über Preise an den Ständen, seien mehr als bedauerlich. Hier arbeite ja niemand in die eigene Tasche, sondern für die Gemeinschaft. Gerade die Städtepartnerschaftsvereine seien da ein gutes Beispiel. In Zeiten, in denen städtische Zuschüsse zunehmend gekürzt würden, sei es für die Komitees umso wichtiger, dass die Partnerschaften über Spenden und Verkaufserlöse am Leben gehalten werden. Schließlich wäre die Stadt um Vieles ärmer, wenn diese Freundschaften – mangels Pflege – irgendwann einschlafen würden. Und das nicht nur zum Weihnachtsmarkt. (shs)

 

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