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Pressespiegel


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Le Cannets ganzer Stolz ziert die Côte

Hommage an einen Großen: Partnerstädter widmen Pierre Bonnard ein eigenes Museum – Über 20 Millionen Euro investiert

Taunus-Zeitung vom 13.07.2011

Unter der südlichen Sonne Frankreichs schimmert neuerdings eine Perle des Post-Impressionismus. Königsteins Partnerstadt Le Cannet-Rocheville feierte jetzt die Einweihung eines Museums, das zum Besten zählt, was die Grande Nation zu bieten hat.
Der Himmel über der Côte d’Azur liefert sich mit dem Meer einen einnehmenden Wettstreit: Wer steuert das intensivste Blau bei, hält sich aber zugleich so bedeckt, dass die warmen Ocker- und Orangetöne des Küstenstädtchens und das satte Grün der umliegenden Felder ihre Leuchtkraft möglichst eindrucksvoll in Szene setzen können?
Es ist ein offenes Rennen, die Duellanten im Hintergrund begegnen sich auf Augenhöhe, verlaufen schließlich ineinander, Übergänge verschwimmen: ein klassisches Unentschieden in Azurblau. Einziger Gewinner ist der Betrachter des Bildes, das der Maler Pierre Bonnard von "seinem" Le Cannet gemalt hat.
Pierre Bonnard? Wem der Name nicht gleich etwas sagt, kommt zumindest hierzulande noch um den Makel des Kulturbanausen herum. In Frankreich jedoch, vor allem aber in Königsteins Partnerstadt Le Cannet-Rocheville, ist der am 23. Januar 1947 verstorbene Maler ein ganz großer seiner Zunft, der durchaus in einem Atemzug mit Künstlerin wie Maurice Denis und Henri Matisse genannt werden darf.
Wie hoch Bonnards Stellenwert an der Côte d’Azur und weit darüber hinaus ist, das belegt ein neues Museum, das jetzt in Königsteins Partnerstadt im Süden Frankreichs eingeweiht wurde. Mitten im Herzen der Stadt unweit des Rathauses und der Kirche haben die Cannetaner "ihrem" Pierre Bonnard einen Schrein der Erinnerung gewidmet, der schon von außen erkennen lässt, dass hier einem bedeutenden Maler gehuldigt wird.

Zeugnis der Belle Epoque

Eine große Villa aus der Belle Epoque ist es geworden, in der ein wichtiger Teil von Bonnards Oeuvre – darunter nicht wenige Bilder mit Cannetaner Motiven – künftig zu sehen sein wird. Das architektonische Schmuckstück wurde aufwendig restauriert, umgebaut und mit einem modernen Anbau versehen. Entstanden ist so ein Museum, das nicht nur mit Ausstellungsräumen auf fünf Etagen, sondern zudem mit einer Boutique und einer Terrasse aufwarten kann. Perfekt für den Café au lait unter südlicher Sonne nach dem Museumsbesuch.
"Das muss man gesehen haben, es ist sehr schön geworden", schwärmt Bürgermeister Leonhard Helm (CDU) und rührt auch gleich die Werbetrommel für eine Stippvisite in der Königsteiner Partnergemeinde – nebst Besuch im neuen Museum, versteht sich. Gemeinsam mit einer kleinen Delegation des Förderkreises der Städtepartnerschaft – bestehend aus Dr. Reinhard und Marie-Charlotte Siepenkort vom Vorstand sowie Hannelore und Dr. Manfred Brill – war der Königsteiner Rathauschef nach Le Cannet gereist, um an der feierlichen Eröffnung teilzunehmen.

Ob die Gäste aus dem Taunus wohl ahnten, was sie bei den Freunden an der Côte erwarten würde? Dr. Reinhard Siepenkort zeigt sich nach der Rückkehr aus Frankreich doch schwer beeindruckt. "Der gesamte Boulevard Carnot war gesperrt, Männer und Frauen in Kostümen der Belle Epoque spazierten vorbei, der Andrang der Besucher war enorm, das Interesse von Presse und Fernsehen ebenfalls", blickt der Vorsitzende des Förderkreises zurück. Die ganze Stadt schien auf den Beinen, von der Prominenz aus der Hauptstadt ganz zu schweigen. Angeführt von Kuratorin Véronique Serrano und Bürgermeisterin Michèle Tabarot drängten sich beim ersten Rundgang Frankreichs Kulturminister Frédéric Mitterand, zwei Präsidenten von France Tèlévision, die Kuratoren von Musée d’Orsay und Centre Pompidou und viele weitere Persönlichkeiten aus Paris und der Region in den neuen Räumlichkeiten.

Tabarots Traum

Ein stolzer und schöner Moment für die Cannetaner Rathauschefin, da ist sich ihr Königsteiner Kollege, der nach wie vor auf die Eröffnung "seines" Hauses der Begegnung (HdB) warten muss, sicher. Neidisch ist Helm nicht. Er freut sich für seine Amtskollegin. Zumal Michèle Tabarot für ihr Museums-Projekt sehr viel mehr Unterstützung auf höherer Ebene fand als Leonhard Helm für die Sanierung des alten Saalbaus. Über 20 Millionen Euro, so munkelt man an der Côte, soll das neue Museum zu Ehren von Pierre Bonnard insgesamt gekostet haben. Etwa fünf Millionen musste die Stadt aufbringen, den Rest gab es vom Land und der Region.

Dass sich hier die guten Kontakte Tabarots nach Paris positiv bemerkbar gemacht haben, ist anzunehmen. Allein die hätten aber sicher nicht ausgereicht, um dieses große Museums-Projekt aus der Taufe zu heben.
Es ist die große Bedeutung Pierre Bonnards, die letztlich den Ausschlag gab und Le Cannet ein Museum von landesweiter Bedeutung, ein "Musée de France", bescherte. Von denen gibt es nur eine sehr überschaubare Zahl in ganz Frankreich, und davon jetzt eines in dem kleinen, feinen Städtchen, das seit 39 Jahren mit Königstein verschwistert ist. Für Michèle Tabarot ging mit der Einweihung ein lang gehegter Traum in Erfüllung. Siepenkort: "Es ist ihr gelungen, den französischen Staat, die Region und die Erben Bonnards für dieses ehrgeizige Projekt zu gewinnen."
Entsprechend glücklich schloss sie ihre Ansprache mit dem Satz: "Monsieur Bonnard, bon reour chez vous, au Cannet" – Monsieur Bonnard, herzlich willkommen zu Hause in Le Cannet.

Die Eröffnungsausstellung mit vielen interessanten Leihgaben läuft noch bis zum 25. September. Weiteres zum neuen Museum und zu Königsteins Partnerstadt findet sich im Internet unter http://www.museebonnard.fr und http://www.le-cannet.de.

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