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Pressespiegel


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"La petite Allemande"

21-jährige arbeitete im Zeichen der Städtepartnerschaft in Le Cannet

Taunus-Zeitung vom 30.07.2011

Zwei Monate an der Côte d’Azur, eingerahmt von Meer, Palmen und Strand – es gibt wahrlich unangenehmere Arbeitsplätze auf der Welt. Diese schöne Erfahrung durfte Lisa Gottschalk zuletzt in Königsteins Partnerstadt Le Cannet-Rocheville machen.
Zwei Monate verbrachte die 21-jährige im sonnigen Südfrankreich, machte dort in der Touristen-Information ein Praktikum und feilte zugleich an ihren Französischkenntnissen. Ein klassischer Fall von "drei Fliegen mit einer Klappe". Schließlich will die junge Königsteinerin zum Wintersemester ein Studium der Übersetzungswissenschaften an der Uni Heidelberg beginnen.

"Es war zwar nicht mein erster Aufenthalt in Frankreich, aber doch mein längster", blickt Lisa nach ihrer Rückkehr auf das Erlebnis Le Cannet zurück. Sollte sie beim Flug nach Nizza neben zwei Kilo Übergepäck auch ein leicht mulmiges Gefühl mit an Bord gebracht haben, so dürfte das am Flughafen schnell verflogen sein. Hier nämlich wartete auf die 21-Jährige ein Mann, der längst so etwas wie der Botschafter Königsteins an der Côte geworden ist: Gaston Fischesser, langjähriger Vorsitzender und Ehrenvorsitzender der Association de Jumelage.
Für den Ehrenbürger der Kurstadt und seine im vergangenen Jahr mit der Ehrenurkunde Königsteins dekorierte Gattin Jacqueline, war es eine Selbstverständlichkeit, den jungen Gast aus dem Taunus abzuholen und in der "ständigen Vertretung der Städtepartnerschaft", dem Hause Fischesser, unterzubringen.

"Ich war sofort begeistert", schwärmt Lisa. Liebenswerte Gastgeber, schöne Umgebung und dazu noch den Arbeitsplatz – das Maison du Tourisme – quasi um die Ecke. Besser hätten die Startvorgaben für den ersten Arbeitstag gar nicht sein können. Als die junge Königsteinerin im Tourismus-Büro dann auch noch zwei Praktikantinnen aus Bayern traf, die sie in der ersten Arbeitswoche noch auf Deutsch mit allen wichtigen Dingen vertraut machten, konnte schon nichts mehr schiefgehen.
"In den acht folgenden Wochen habe ich dann nur noch mit deutschen Touristen und der Familie in Deutschland am Telefon deutsch gesprochen. Alles andere wurde auf Französisch geregelt", erzählt Lisa, die ja genau aus diesem Grund nach Le Cannet gekommen war.

"Das ist Europa"

Von der Begrüßung und Beratung von Touristen über das Übersetzen von Broschüren bis hin zum Versenden von Informationsmaterial reichten die vielfältigen Aufgaben, die Lisa Gottschalk im Dienst zu bewältigen hatte. "Es kam sogar einmal vor, dass ich als Deutsche einem Italiener in Frankreich auf Englisch erklärte, wo er einen Campingplatz findet. Das ist Europa!", konstatiert die angehende Studentin amüsiert.
Ganz besonders in Erinnerung bleiben werden ihr aber die Vorbereitungen für die Eröffnung des Musée Bonnard (wir berichteten), in die sie eingebunden wurde. "Das war natürlich der Höhepunkt meines Praktikums", erzählt Lisa. Da alle Angestellten der Stadt an diesem Tag Kostüme der 20er Jahre trugen, bekamen auch die jungen Damen von Tourismus-Büro eine typische Garderobe. Als Hostess verteilte die junge Königsteinerin mit ihren Kolleginnen Flyer mit dem Programm und gab Auskünfte rund um das neue Museum.
Dass die junge Deutsche – bei aller Arbeit – auch abseits des Büros genug Gelegenheit fand, die französische Lebensart und das Leben in und um Le Cannet kennen und schätzen zu lernen, dafür sprechen die Ausflüge, die sie gemeinsam mit den anderen Praktikantinnen unter anderem in die Parfümfabriken in Grasse und die Küstenstädte Nizza und Antibes unternahm.
"Ich habe viel gelernt, viel gesehen, viele schöne Erfahrungen gemacht, habe neue Freunde gefunden und bin vor allem sehr herzlich aufgenommen worden", blickt Lisa begeistert zurück auf ihre Zeit in Le Cannet. Wie gut sie dort aufgenommen wurde, das belegt eine kleine Begebenheit, die durchaus als Stück gelebter deutsch-französischer Freundschaft bezeichnet werden kann.
In der ersten Woche, erzählt Lisa, habe sie sich eine Telefonkarte gekauft, um von einer Telefonzelle aus zu Hause anzurufen. Allerdings merkte sie erst nach dem Öffnen der Plastikversiegelung, dass die Karte nur dazu diente innerhalb von Frankreich zu telefonieren. "Ich ging in das Geschäft zurück und erklärte dem netten älteren Ehepaar, dass ich nicht gewusst habe, dass es auch eine Karte für das Ausland gibt. Sie nahmen die Karte zurück und sagten mir, dass sie versuchen würden, die Karte wieder zu verkaufen, dann würde ich mein Geld zurückbekommen."

Gelebte Freundschaft

In den folgenden Wochen ging sie immer wieder in das Geschäft und fragte nach, jedes Mal lag die Karte noch da. "Aber mittlerweile kannten die beiden mich schon und begrüßten mich jedes Mal wieder mit: ,Ah la petite Allemande.’ Nach sechs Wochen war die Karte dann dank des netten Ehepaares wieder verkauft und ich erhielt mein Geld zurück."

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