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Förderkreis der Städtepartnerschaft e.V. Königstein im Taunus
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Pressespiegel


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Taunus-Zeitung vom 11.08.2012

Jahre Städtepartnerschaft

Ans de Jumelage

23. 8 – 29. 8. 2012

Mit 20 im Alleingang zur Städtepartnerschaft:

Hans-Günther Brüske blickt auf die Anfänge der Freundschaft mit Le Cannet zurück.
Seit 40 Jahren sind sie miteinander befreundet - Königstein, der charmante Kurort im Taunus, und Le Cannet, das mondäne Städtchen an der Côte d‘Azur. Wie aber hat das alles begonnen, wer hat die Verbindung angebahnt? Die TZ hat zum Vierzigsten mit Hans-Günther Brüske, dem Gründer der Städtepartnerschaft, im Poesiealbum der deutsch-französischen Freundschaft geblättert.

Herr Brüske, verraten Sie uns ein Geheimnis: Wie wird man als Azubi bei den Farbwerken Hoechst und angehender Student mit gerade einmal 20 Jahren zum Gründervater einer Städtepartnerschaft?

HANS-GÜNTHER BRÜSKE: Mit etwas Mut, einer guten Portion jugendlicher Unbefangenheit, viel Begeisterung und nicht zuletzt der Hilfe der Taunus Zeitung.

Wie kam denn die TZ zu dieser Ehre?

BRÜSKE: Es war in der Taunus Zeitung, in der ich 1971 eine kleine Meldung las, wonach ein Wiesbadener Immobilienmakler namens Mack beim damaligen Königsteiner Bürgermeister Wilke vorstellig werden wollte, um die Möglichkeiten für eine Städtepartnerschaft mit Le Cannet-Rocheville auszuloten.

Ein Wiesbadener Makler versucht, für eine Stadt an der Côte d‘Azur eine Partnerstadt im Taunus zu finden? Das klingt nach einer interessanten Geschichte ...

BRÜSKE: Die eigentliche Initiative ging wohl von Réjane Ducros, der Tochter des damaligen Bürgermeisters von Le Cannet-Rocheville, Gaston Ducros, aus. Gemeinsam mit ihrer Deutschlehrerin Ingrid Latscha hatte Réjane eine Rheinreise unternommen und ihrem Vater nach der Rückkehr an die Côte d‘Azur davon erzählt, wie viele französische Städte bereits deutsche Partnerstädte hatten. Offensichtlich wollten die Cannetaner da nicht länger hintanstehen. Man ging auf Partnersuche und kam durch Kontakte zu Immobilienmakler Mack letztlich auf Königstein, wo ich dann wiederum über die Zeitungsnotiz auf das Interesse der Franzosen aufmerksam wurde und von dem Gedanken sofort begeistert war.

Worin lag für Sie der Reiz einer Städtepartnerschaft mit Le Cannet?

BRÜSKE: Sicherlich im Kennenlernen anderer Menschen, einer anderen Kultur. Über die bereits bestehende Partnerschaft zwischen Falkenstein und Le Mêle sur Sarthe hatte ich die Vorzüge einer solchen Verbindung bereits kennenlernen dürfen. Und letztlich war die Tatsache, dass die Falkensteiner schon eine französische Partnergemeinde hatten, für mich als gebürtigen und überzeugten Kernstädter sicher auch ein Anreiz, für Königstein etwas Vergleichbares auf die Beine zu stellen. Der gute alte Konkurrenzkampf zwischen Königstein und Falkenstein eben.

Wie sind Sie Ihr Projekt "Städtepartnerschaft" angegangen?

BRÜSKE: Indem ich direkt ins Rathaus und zu Bürgermeister Wilke marschiert bin und ihm meine Idee unterbreitet habe.

Wie hat Wilke auf diese überraschende Offensive reagiert?

BRÜSKE: Er zeigte sich durchaus aufgeschlossen, fragte aber auch, wie ich mir das vorstellen würde. Eine Delegation aus der Kurstadt schien damals undenkbar. Als ich ihm eröffnete, dass ich bereit sei, quasi als Vorauskommando und auf eigene Verantwortung nach Le Cannet zu fahren, sagte er mir gleich, dass ich mit Geld der Stadt für diese Fahrt nicht rechnen dürfe. Er sagte mir aber zu, dass er seinen Amtskollegen in Le Cannet von meinen Plänen und über meine Ankunft informieren würde.

In semi-offizieller Mission der Stadt, aber ohne Zuschuss ...

BRÜSKE: Das war schon eine Herausforderung und auch der Grund dafür, dass ich meine beiden Freunde Bernhard Grosse und Berthold Schmitt mit ins Boot, besser ins Auto, holte. Wir teilten uns die Spritkosten und hoppelten in meinem alten VW-Käfer nach Le Cannet.

Wie wurden Sie damals an der Côte d‘Azur in Empfang genommen?

BRÜSKE: Überaus freundlich, ja sogar generös. Stadtrat Roche hatte über das Telegramm aus Königstein von unserer Ankunft erfahren, nahm uns im Rathaus in Empfang und machte uns auch gleich ein wirklich großzügiges Angebot. Die Stadt Le Cannet, so Roche damals, würde zwei Drittel unserer Hotelrechnung übernehmen. Da sagten wir natürlich nicht Nein.

Hat man die drei Jungs aus Deutschland denn als Botschafter Königsteins ernst genommen?

BRÜSKE: Absolut! Wir hatten viele Termine, haben Vereine und Schulen besucht, wurden oft eingeladen und waren uns am Ende sicher, dass Königstein und Le Cannet ein gutes Paar abgeben würden. Das habe ich dann so auch in einem schriftlichen Bericht an Bürgermeister Wilke und den Königsteiner Haupt- und Finanzausschuss zum Ausdruck gebracht. Kurz darauf habe ich dann gemeinsam mit sechs weiteren Mitstreitern den Förderkreis der Städtepartnerschaft aus der Taufe gehoben, dessen Mitglied ich bis heute bin. Was letztlich aus diesen Anfängen geworden ist, sehen wir ja heute - 40 Jahre später.

Sind Sie als Gründervater zufrieden damit, wie sich Ihr "Baby" in diesen vier Jahrzehnten entwickelt hat?

BRÜSKE: Auf jeden Fall. Natürlich ist da nicht mehr diese ereignishafte Wahrnehmung des jeweils anderen, diese hohe politisch-emotionale Erwartungshaltung aus den Anfangsjahren. Die deutsch-französische Normalität hat Einzug gehalten. Dennoch hat sich der Grundgedanke der Städtepartnerschaft keineswegs überlebt. Im Gegenteil. Es ist hier wie bei allen Verbindungen zwischen Menschen - man muss stetig daran arbeiten, wenn die Partnerschaft Bestand haben soll. Da können die politischen Beziehungen noch so gut oder so kompliziert sein - auf die Basis kommt es an, sie muss stetig erneuert werden. Und ich denke, das gelingt dem Förderkreis sehr gut.

Wie steht es um Ihren persönlichen Kontakt nach Le Cannet?

BRÜSKE: Der ist nach wie vor sehr stark ausgeprägt. Ich habe dort nicht nur viele gute Freunde, sondern seit Mitte der 1990er-Jahre sogar meinen Zweitwohnsitz. Zwei, drei Mal bin ich eigentlich in jedem Jahr in Le Cannet.

Werden Sie denn auch zur 40-Jahr-Feier in Königstein vorbeischauen?

BRÜSKE: Sollte ich zu der Zeit in der Stadt sein, werde ich sicherlich versuchen, es einzurichten. Noch aber kann ich es leider nicht absehen.

 

 

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