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Förderkreis der Städtepartnerschaft e.V. Königstein im Taunus
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Pressespiegel


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Königsteiner Woche vom 30.08.2012

Wir befinden uns im Jahr 2012 nach Christus. In ganz Königstein tobt an diesem Sonntag das Burgfest, erst in den Straßen zum Umzug und nachher auf der Burg. Ganz Königstein ist von laut feiernden Menschen besetzt. Ganz Königstein? Nein, es ist kaum zu glauben, aber wahr: Inmitten des Burgfestes ist es einer gar nicht so kleinen Gruppe gelungen, ein ritterliches Gelage bei Kerzenschein und mittelalterlicher Musik abzuhalten.

Ausgangspunkt dieser ungewöhnlichen Aktion ist der kleine, uns wohlbekannte Keller der „Ritter von Königstein" am kleinen Zwinger neben dem Dunklen Bogen auf der Burg, wo das Leben seinen gewohnten Gang geht. Gerade ist dort Ritter-Häuptling und Chefkoch Howie von seinem goldenen Teller gefallen und hat anschließend seinem Groll Luft gemacht: „Das kann doch nicht sein, dass wir seit Neuestem hier am Burgfest nur Minus machen", ein Umstand, der nach seiner Einschätzung viel mit den Sicherheitsbestimmungen zu tun hat. Was ihn besonders ärgert: Im Vorfeld der Ritterturniere haben er und seine Recken in langen Jahren ihr eigenes Sicherheitskonzept erarbeitet, das sich auch kaum von der offiziellen Version unterscheidet.
Nun, jedenfalls haben die Römer das bürokratische Werk im Lande durchgesetzt, und so fragten sich die Ritter von Königstein, wie sie denn das Burgfest in diesem Jahr gestalten sollten - andere Vereine, so hörte man im Vorfeld, wollten ihre Pforten diesmal auch nicht öffnen...
Deutlich mehr als ein Ausweg aus diesem Dilemma bot sich schließlich, als die Gallier auf den Plan traten. Bekanntlich war das diesjährige Burgfest gleichzeitig der Höhepunkt aller Feierlichkeiten zum 40-jährigen Bestehen der Städtepartnerschaft mit Le Cannet-Rocheville, dessen Bewohner sich ohnehin schon lange an Burgfest und Umzug beteiligen. Da sich also, wie Burgvereinspräsidentin Birgit Becker es ausdrückte, ein recht „französisches Burgfest" andeutete, wäre doch ein gemeinsames Ritteressen genau das richtige, um auf die gemeinsamen Wurzeln im Frankenreich, namentlich zur Zeit der Karolinger, anzustoßen.
Schnell war der Plan gereift, dem Jubiläum neben dem offiziellen Festakt noch ein besonderes Glanzlicht aufzusetzen, womit auch für die Ritter klar war, dass diese logistische Herausforderung dann das „Anstatt" zum üblichen Kellerbetrieb bedeutete. Die besondere Herausforderung bestand nämlich darin, angekündigte 200 Personen zu bewirten (natürlich wurden es aktuell mehr, so dass Reservetische zum Einsatz kommen mussten). Das sollte, des Ambientes wegen, nicht auf der Festwiese sein, sondern eben im „Dunklen Bogen", der wiederum bis zur „Burgschließung" um 20 Uhr als Notausgang freigehalten werden musste.
Natürlich waren einige Gegenstände schon im Vorhinein platziert worden, auch sprach der Vorsitzende des Partnerschaftsvereins, Dr. Reinhard Siepenkort, später von „Zauberei" - in jedem Fall war es den Rittern gelungen, den Notausgang innerhalb von etwa zwei Stunden zum Palas zu verwandeln. Eine gut 50 Meter lange Tafel füllte den Raum, dekoriert mit Brot, Obst und Gemüse auf Sackleinen und natürlich mit unzähligen Kerzenleuchtern, die gemeinsam mit den Fackeln an der Wand die LED-Kette an der Decke überflüssig gemacht hätten, wären da nicht die Sicherheitsbestimmungen...

„Derff dann der do nei?" - Klar instruiert schirmte ein Mann des Sicherheitsdienstes den Zugang zur „Baustelle" auch gegen die Presse ab, während sein Kollege gemeinsam mit Burgfräulein Lisa und Gefolge geschickt die wartenden Gäste am Nagelklotz der „Münze" unterhielt. „Da bist Du ja endlich" erlöste Howie den eiligen KöWo-Mitarbeiter und gab schnell die nötigen Anweisungen, wo sich störende Presse mit blitzenden Fotowaffen zu verstecken habe. Wie der Trick mit der nicht vorhandenen Palastküche geht? „Später" sagt Howie. Das ging dann auch irgendwie vergessen, aber er hatte es eilig, denn die Gäste wollten instruiert werden. Zunächst (regelrecht „martialisch" auf der Festwiese vor aufziehenden Gewitterwolken) eine moderne Anweisung: „Wer mit dem Auto bis auf die Burg gefahren ist, fährt dies bitte sofort wieder herunter, sonst wird abgeschleppt - Sie verstehen, das Sicherheitskonzept..." In bewährter Weise übersetzte Marie-Charlotte Siepenkort, die wohl unauffälligste Hauptperson der ganzen Veranstaltung, Zug um Zug alles ins Französische, so auch den Hinweis, dass man im Mittelalter sein Geschirr ja eigentlich selbst mitgebracht habe und sich daher jeder, der nicht mit den Fingern essen wolle, kulanterweise an einem Besteckbüfett im Eingang ausrüsten solle, gewissermaßen im Vorbeigehen.
Das allerdings vergaß so mancher, der nun staunend den zum Rittersaal umgestalteten „Dunklen Bogen" betrat, und so dauerte es eine Weile, bis alle Platz genommen hatten. Hauptsächlicher Engpass dabei: Umherirrende Gäste versperrten den Bierkrügen den Weg, die in die entgegengesetzte Richtung wandern sollten.

„Bitte essen Sie nicht die Dekoration, es gibt noch Schweinshaxe und Hühnchen", mahnte der Herold, während zusätzliche Tische durch das Gewühl transportiert wurden und sich Burgfräulein Lisa, die vor diesen hinter dem Tresen in Deckung gegangen war, erst einmal im Ausschank betätigte. „Ich dachte, Franzosen trinken Wein?", quittierte ein Recke aus dem Service seine bisherige Unwissenheit, während Ulrich Hiller in der Zapf-Ecke nach einem neuen Fass verlangte.

Irgendwann aber hatte doch ein jedes seinen Platz gefunden, die minnigliche Musik war wieder zu hören und Herold Holger tat kund, wie mit den nun auf riesigen Holzplatten eingetragenen Fleischbergen umzugehen sei. Merke: „Primus: keine unsittlichen Trinksprüche, secundus: nicht mit Speisen werfen, wenn man denn satt werden will, und auch das Messer solle eher in die Speisen als in die Tischnachbarin gesteckt werden, man ist schließlich von Stand und damit zu einer gewissen Galanterie verpflichtet."

Einzelne unwissende Leibeigene hatten wohl bei der Dekoration nicht ganz so viel auf die Galanterie gegeben (anders ließ sich die auffällige Nähe etlicher Brotmesser im Burgfestbrot zum Antlitz des Burgfräuleins nicht erklären), doch fiel dies der galanten Verzeihung ihrer Hoheit persönlich anheim, die mittlerweile im Dauereinsatz neben Bürgermeister Leonhard Helm und Ehepaar Siepenkort gegenseitige Ehrungen und Danksagungen begleitete.
Unmöglich, jede einzelne in ihrer herzlichen Ausschweifigkeit wiederzugeben, seien hier stellvertretend genannt: Der gleich mit mehreren Kisten Wein bedachte Ritterpräsident und Chef de cuisine Markus Hohmann („Wir wollten schon lange einmal richtig Danke sagen für die rege Beteiligung aus Le Cannet"), die Mitglieder der „Académi dou Miejour", die mit ihren noch vom Umzug recht passenden Kostümen dem Abend ein wichtiges Stück Flair beisteuerten und Bürgermeisterin Michèle Tabarot, die erst am Sonntag nachgereist war und nun ausserhalb des offiziellen Festaktes die „Freundschaftsmedaille" des Förderkreises der Städtepartnerschaft für ihre Verdienste erhielt.
Mit viel „Händegeklapper" amüsierte man sich trotz Termindruck und der im Raum stehenden Drohung, dass, wer zu lange bleibe, beim Aufräumen helfen müsse, bis etwa 24 Uhr. Nur widerwillig löste sich die frohe Runde dann auf, doch galt es schließlich, am Montag zwecks Rückreise früh aufzustehen. „Unsere Gäste waren absolut begeistert", meldete zu dieser Zeit bereits Fördervereins-präsident Dr. Reinhard Siepenkort und Vorstandskollege Wolfgang Riedel dürfte kaum geschlafen haben: Alle Bilder sind schon auf der Homepage.

 

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