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Pressespiegel


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Taunus-Zeitung vom 28.10.2014

Tief beeindruckt sind Königsteiner und Falkensteiner von einer Reise zurückgekehrt, die sie in jene Zeiten geführt hatte, als Deutsche und Franzosen sich noch unversöhnlich auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs gegenüberstanden. Heute undenkbar, vor 100 Jahren blutige Realität.

Verdun - wie kaum ein anderer steht dieser Name für das millionenfache Leid, das der Erste Weltkrieg über die Menschen brachte. Wie kaum eine andere markierte die Kleinstadt im Nordosten Frankreichs von Februar bis Dezember 1916 die Frontlinie zweier vermeintlich unversöhnlicher Erbfeinde. Wie kaum ein anderer Ort steht Verdun heute allerdings auch dafür, dass das scheinbar Unmögliche möglich werden, dass Versöhnung gelingen kann -wenn beide Seite aufeinander zu gehen.

In dieser Überzeugung bestärkt und mit einer Vielzahl an besonderen Impressionen sind jetzt Mitglieder der deutsch-französischen Partnerschaftskomitees aus Königstein und Falkenstein von einem Kurzbesuch in Verdun zurückgekehrt.

„Die Resonanz auf diesen Zwei-Tagesausflug war überwältigend, zumal noch knapp zehn Mitglieder vom Partnerschaftsverein Falkenstein - Le Mêle mit dabei waren", zog Wolfgang Riedel, der stellvertretende Vorsitzende des Förderkreises der Städtepartnerschaft zwischen Königstein und Le Cannet, gestern sehr zufrieden Bilanz.


Nicht einfach abzuhaken

Insgesamt 41 Freunde der deutsch-französischen Partnerschaft hatten sich aus dem Taunus auf den Weg in Richtung der Maas gemacht, um sich dort von dem ein Bild zu machen, was die „Schlacht von Verdun" war, ist und bleiben soll - ein Fanal für den Frieden. „Diese zwei Tage kann man nicht einfach so abhaken, zu stark waren die Eindrücke", blickt Riedel auf eine außergewöhnliche Tour zurück, die die Besuchergruppe zunächst zu den Schlachtfeldern Bois des Caures führte und anschließend zum deutschen Soldatenfriedhof „Azannnes" sowie dem ehemaligen Dorf Bezonvaux, das nach seiner völligen Zerstörung nie wieder aufgebaut wurde.

Zum Gedenken an die Gefallenen des Krieges hatten die Partnerschaftsvereine einen Kranz in den Farben der beiden einst verfeindeten Nationen vorbereitet, den Constanze Schleicher, die Vorsitzende des Falkensteiner Komitees, und ihr Königsteiner Amtskollege Dr. Reinhard Siepenkort am Kriegerdenkmal von Verdun niederlegten.

Wie die Soldaten in den Jahren des Krieges ihr Dasein in Schützengräben und Bunkern fristeten, davon konnten sich die Gäste aus dem Taunus am nächsten Tag beim Besuch der unterirdischen Zitadelle von Verdun ein Bild machen. Untrennbar mit dem tödlichen wie sinnlosen Ringen um diesen Ort verbunden sind Fort Douaumont und das Beinhaus von Verdun.

Riedel: „Das Fort gehörte zu den französischen Verteidigungsanlagen vor der Stadt und war im Ersten Weltkrieg schwer umkämpft. Am 25. Februar 1916, vier Tage nach Beginn der Schlacht, wurde es im Handstreich von deutschen Truppen eingenommen."

Leid auf beiden Seiten

Wenn das Fort heute auch als „Sargdeckel" in der Geschichte des Ersten Weltkriegs verankert ist, so verweist dieser Beiname auf eine folgenschwere Explosion in einem Munitionsdepot vom 8. Mai 1916, bei der bis zu 900 deutsche Soldaten ums Leben gekommen sein sollen. Riedel: „Aus Zeitgründen wurden 679 von ihnen innerhalb des Forts an Ort und Stelle in einem der Untergeschosse eingemauert. Dieser Ort ist der sogenannte deutsche Friedhof im Fort Douaumont."

Keine Zeit für eine Bergung und Bestattung der Getöteten -es lässt erkennen, wie wenig ein Soldatenleben in den Jahren des Krieges wert war. Davon zeugt auch das Beinhaus auf der Thiaumont - Höhe. In dessen Kellern werden die Gebeine von etwa 130 000 gefallenen Deutschen und Franzosen aufbewahrt, die nicht identifiziert werden konnten.

„So viel unsagbares Leid auf so einem kleinen Fleckchen Erde. Es sind ja nicht allein die Toten, nein es waren auch die Mütter, die Witwen und Waisen, die an diesem Wahnsinn zerbrochen sind", fasst Wolfgang Riedel die Eindrücke zusammen, die Pierre Lenard vom Fremdenverkehrsbüro Verdun den Besuchern aus dem Taunus auf fesselnde wie gleichermaßen bedrückende Weise vermittelte. Dazu passte das Gedicht „Verdun, viele Jahre später" von Erich Kästner, das Lenard auf einem der Schlachtfelder vorgetragen hatte.

 

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