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Pressespiegel


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Königsteiner-Woche vom 06.11.2014

Reise nach Verdun hilft, mit der Vergangenheit zu versöhnen

Viele waren mit Marie-Charlotte und Dr. Reinhard Siepenkort schon etliche Male auf Reisen in Frankreich. Sie haben uns Land und Leute durch diese Reisen nähergebracht. Alle, die im Frühjahr mit in der Provence waren, werden diese Reise nie vergessen; sie war etwas Besonderes. Nun stand auf Anregung des Sprachkurses von Chantal Irmen eine Reise nach Verdun anlässlich des Gedenkens an 100 Jahre 1. Weltkrieg auf dem Programm. Die Resonanz für diesen Zwei-Tagesausflug war überwältigend, zumal noch knapp zehn Mitglieder vom Partnerschaftsverein Falkenstein - Le Mêle mit dabei waren. Dies hat die Königsteiner ganz besonders gefreut. So bildete sich eine stattliche Reisegruppe von 41 Personen.

Diese zwei Tage kann man aber nicht einfach so abhaken, zu stark waren die Eindrücke. Früh am Freitagmorgen begann die Busreise nach Verdun. Bevor der deutschsprachige Reiseführer am frühen Nachmittag zustieg, hatte man noch Gelegenheit, sich das kleine Städtchen Verdun anzuschauen und einen kleinen Mittagsimbiss zu sich zu nehmen.

Der Bus brachte die Gruppe zunächst zu den Schlachtfeldern Bois des Caures, zu dem Deutschen Soldatenfriedhof Azannnes und schließlich zu dem ehemaligen Dorf Bezonvaux, das nach seiner völligen Zerstörung nie wieder aufgebaut wurde.

Nach der Rückkehr am Office de Tourisme von Verdun erlebte man einen sehr emotionalen Moment am Kriegerdenkmal von Verdun. Zusammen mit der 1. Vorsitzenden der Gesellschaft zur Pflege internationaler Beziehungen vom Partnerschaftskomitee Falkenstein - Le Mêle, Constanze Schleicher, legte der 1. Vorsitzende des Förderkreises Königstein - Le Cannet, Dr. Reinhard Siepenkort, zum Gedenken an die Toten des 1. Weltkrieges am Kriegerdenkmal von Verdun einen Kranz nieder. Danach fuhr man ins Hotel Orchidees, wo man den Tag mit einem Abendessen ausklingen ließ.

Der Samstag begann mit dem Besuch der unterirdischen Zitadelle von Verdun. Hier besichtigten die Reisenden aus dem Taunus auf kleinen computergesteuerten Wagen die unterirdischen Gänge der Zitadelle. Während der Rundfahrt konnten sie dem Leben der Frontsoldaten nachspüren. Am Ende der Fahrt sahen sie eine Rekonstruktion der Zeremonie um den „Unbekannten Soldaten".

Danach fuhr man zum Fort Douaumont und zum Beinhaus von Verdun. Das Fort Douaumont gehört zu den französischen Verteidigungsanlagen vor Verdun und war im Ersten Weltkrieg schwer umkämpft; es war Teil einer 40 Kilometer langen Verteidigungslinie aus dem 19. Jahrhundert und die stärkste Befestigungsanlage im Festungsring von Verdun. Am 25. Februar 1916, vier Tage nach Beginn der Schlacht um Verdun, wurde das Fort im Handstreich von deutschen Truppen erstürmt und eingenommen.

Traurige Berühmtheit erhielt Fort Douaumont als so genannter „Sargdeckel". Im frühen Morgengrauen, am 8. Mai 1916, kamen bei einer Explosion eines Handgranaten- und Flammenwerferdepots möglicherweise bis zu 900 deutsche Soldaten ums Leben. Aus Zeitgründen wurden 679 von ihnen innerhalb des Forts an Ort und Stelle in einem der Untergeschosse eingemauert. Dieser Ort ist der so genannte deutsche Friedhof im Fort Douaumont, das heute unter staatlicher Verwaltung der französischen Regierung steht.

Das Beinhaus befindet sich auf der Thiaumont - Höhe, einem heftig umkämpften Bereich des Schlachtfeldes. Die Grundsteinlegung fand bereits im Jahre 1920 statt. Eingeweiht wurde es dann aber erst im August 1932. Auf dem dazugehörigen Friedhof liegen ca. 15.000 für Frankreich gefallene Soldaten. In den Kellerräumen werden die Gebeine von etwa 130.000(!) gefallenen deutschen und französischen, nicht identifizierbaren Schlachtteilnehmern verwahrt.

Bevor es dann wieder Richtung Königstein ging, hatten die Teilnehmer noch Zeit für ein kleines individuelles Mittagessen in Verdun sowie für die Besichtigung der Drageefabrik Braquier. Die Dragees von Verdun sind in allen Regenbogenfarben erhältlich: gelb, grün, blau, lila oder auch rosa. Sie erfreuen sich über ein weltweites Renommee und gelten allgemein als ein Emblem für Verdun. Diese im Jahre 1.220 erfundenen Süßigkeiten sind mittlerweile ein fester Bestandteil des französisch gastronomischen Kulturerbes geworden.

Das Gesehene und Gehörte hat alle Fahrtteilnehmer zutiefst beeindruckt und berührt. Es war schon berührend, wie Tourguide Pierre Lenard vom Fremdenverkehrsbüro Verdun die Schrecken und Greultaten des 1. Weltkrieges erläuterte. So viel unsagbares Leid auf so einem kleinen Fleckchen Erde. Es sind ja nicht allein die Toten, nein es waren auch die Mütter, die Witwen und Waisen, die an diesem Wahnsinn zerbrochen sind.

Pierre Lenard erinnerte auch an das Bild von Mitterand und Kohl, wie sie Hand in Hand am 22.9.1984 vor dem Beinhaus von Verdun standen. Die gemeinsame Erklärung von Kohl und Mitterand in Verdun lautete damals: „Frankreich und Deutschland haben die Lehren aus der Geschichte gezogen. Europa ist unser gemeinsames Vaterland. Wir sind Erben einer großen europäischen Tradition. Deshalb haben wir vor 40 Jahren den Bruderkampf beendet und begonnen, gemeinsam an unserer Zukunft zu bauen. Wir haben uns versöhnt, wir haben uns verständigt, wir sind Freunde geworden. Die Einigung Europas ist unser gemeinsames Ziel - dafür arbeiten wir - im Geist der Brüderlichkeit." Gerade die beiden Königsteiner Partnerschaftsvereine haben sich in den letzten Jahrzehnten bemüht, diese Worte in Taten umzusetzen tun dies immer noch .

Großer Dank geht an Marie-Charlotte und Dr. Reinhard Siepenkort für die Vorbereitungen, die geschichtliche Begleitung und die Durchführung dieser denkwürdigen Reise.

 

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