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Pressespiegel


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Taunus-Zeitung vom 14.01.2020

Freundschaft ist die Basis des Friedens

KÖNIGSTEIN Partnerschaftsverein stimmt auf ein neues Jahr im Zeichen der Verbundenheit zu Le Cannet ein

Mehr denn je gelte es, "Ja" und "Oui" zu sagen zur französisch-deutschen Partnerschaft. Davon ist Wolfgang Riedel überzeugt. Und das nicht nur auf der Ebene der "hohen Politik" zwischen den Regierungen, sondern vor allem auch auf der Ebene der Bürger als Verschwisterungen von Städten und Gemeinden.

Jene zwischen Königstein und Le Cannet-Rocheville besteht bereits seit annähernd fünf Jahrzehnten, hob Riedel am Sonntag beim Neujahrsempfangs "seines" Förderkreises der Städtepartnerschaft hervor. Damit griff der Vorsitzende dem "goldenen" Jubiläum im übernächsten Jahr schon ein wenig vor, freilich ohne Einzelheiten der geplanten Feiern vorwegzunehmen.

Dass dieses Jubiläum begangen werden könne, spricht nach Riedels Worten für den "lebendigen wechselseitigen Austausch zwischen Taunus und Côte d'Azur". Er wandte sich direkt an die Gäste des Empfangs im Haus der Begegnung: "Mit Ihrer Teilnahme leisten Sie einen wichtigen Beitrag zum Fortbestand!"

Für die Gründungszeit der Städtepartnerschaft stehen auf Königsteiner Seite die Namen Antonius Weber und Dr. Reinhard Siepenkort. Der amtierende Vorsitzende begrüßte den ehemaligen Bürgermeister, unter dessen Ägide die Partnerschaft 1972 beschlossen und unterzeichnet wurde, sowie den Ehrenvorsitzenden des Förderkreises unter dem herzlichen Applaus der rund 150 Gäste. Beider Verdienste seien kaum hoch genug zu schätzen, sagte Riedel. Das treffe nicht minder auf Königsteins Ehrenbürger Gaston Fischesser zu, der auf Cannetaner Seite die freundschaftlichen Aktivitäten mitinitiiert und angetrieben habe. Eingefunden hatten sich im Foyer des Hauses der Begegnung Vertreter der Vereine und der Lokalpolitik mit dem ersten Bürger der Stadt, Parlamentsvorsteher Alexander von Bethmann (FDP), an der Spitze.

Gerade zehn Jahre alt sei er gewesen, als Charles de Gaulle und Konrad Adenauer Anfang 1963 den Élysée-Vertrag unterzeichnet hätten, blickte Riedel zurück. "Was geht mich der Vertrag zweier alter Männer an", habe er damals gedacht. Erst der Jugendaustausch neun Jahre später habe ihn mit dem Interesse und der Begeisterung für die Städtepartnerschaft "infiziert", fortan nicht mehr losgelassen.

Im Geiste der Versöhnung

"Tief beeindruckt hat mich die Frau des damaligen Bürgermeisters. Sie zeigte mir die Wunden, die ihr Schergen der Gestapo beigebracht hatten." Gleichwohl habe sie den Blick nach vorn gerichtet - hin zu einer gemeinsamen Zukunft im Geiste von Versöhnung und Verständigung. Die nunmehr ein Dreivierteljahrhundert währende Friedenszeit erfülle ihn mit Freude und Dankbarkeit.

Zwischen Neujahrsempfang und Weihnachtsmarkt lagen 19 weitere Termine, die der Förderkreis im vergangenen Jahr organisierte, zog der Vorsitzende Bilanz. Eine ähnliche Zahl sei im gerade begonnenen Jahr geplant. "Zwei Führungen durch die Van-Gogh-Ausstellung im Frankfurter Städel haben schon stattgefunden, eine dritte steht am kommenden Mittwoch an." Dafür seien noch Plätze frei. Schwerpunkt des Jahresprogramms bilden einmal mehr die Wanderungen, darunter eine Wanderwoche in Mutters, Tirol. Des Vorsitzenden Dank galt besonders den Organisatoren Gudrun und Heinz Alter. Vorgesehen sei ebenfalls, dass Burgfräulein Sophia I. und Lavendelkönigin Nina I. die Partnerstadt besuchen.

Just in dem Moment, da Bürgermeister Leonhard Helm für sein Grußwort an das Rednerpult trat, ging klirrend ein Glas zu Bruch. Der Rathauschef fing das Missgeschick launig auf mit der Bemerkung, man werde jetzt "russische Sitten" einführen. Der "wunderschöne Neujahrsempfang" gebe Gelegenheit, dankbar auf die Zeit des Friedens nach den Kriegen in Europa zu blicken, sagte er. Es sei sehr bedauerlich, dass in diesem Jahr "mit dem Brexit der erste Rückschlag der phantastischen europäischen Idee" stattfinde. Die Städtepartnerschaften stehen Helm zufolge dafür, "den Nachbarn nicht auf formaler Ebene zu begegnen, sondern sie ins Herz zu nehmen".

Mit dem Prélude zum Te Deum von Marc-Antoine Charpentier, bekannt als "Eurovisions-Fanfare", eröffneten Anna Becker (Flöte) und Ariane Baecker (Klavier) den Empfang. Die weiland von Herbert von Karajan aus dem "Freudenthema" der neunten Sinfonie Ludwig van Beethovens arrangierte "Europahymne" schloss die Begrüßung des neuen Jahres. Ulrich Boller

Quellenangabe: Taunus Zeitung vom 14.01.2020, Seite 16

 

 

 

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