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Königsteiner auf den Spuren des Urpferdchens, Besuch der Grube Messel am 9.3.2006

Grube Messel, Weltnaturerbe der UNESCO

 24 Mitglieder des Förderkreises besuchten die Grube und das Museum Messel. Regelrecht spannend war es zu erfahren, warum vor 47 Jahren sich in dem Maar- Vulkankrater Ölschiefer gebildet hatte mit den Einschlüssen so vieler Pflanzen und Tiere, die seit 15 Jahren von Paläontologen ausgegraben und professionell präpariert werden. Einige dieser Präparate konnten wir dann im Fossilienmuseum  Messel bewundern. Das berühmteste Fossil von Messel ist das Urpferdchen, das kleiner ist als ein kleiner Schäferhund.

Mitglieder der Städtepartnerschaft Königstein/Le Cannet treffen sich – auch ohne Franzosen – einmal monatlich zu Tageswanderungen, immer bestens organisiert von Dr. Walther Sambeth. Viel Neues und Schönes gibt es jedes Mal zu entdecken, außerdem bietet sich die Gelegenheit, einander näher kennen zu lernen und Gedanken auszutauschen.Im so kalten März dieses Jahres stand ein Ziel auf dem Programm, das vom üblichen Wandern etwas abweicht: Die Grube Messel, nordöstlich von Darmstadt.

Welt-Erbestätten der Kultur gibt es viele, der Natur aber nur wenige! Die einzige Weltnaturerbestätte Deutschlands ist die Grube Messel, ein Maar, das vor rund 47 Millionen Jahren durch einen Vulkanausbruch entstand. Erst 2001 wurde dieses durch eine Tiefbohrung belegt.
Unter der fachkundigen Führung von Frau Wurche, einer studierten Zoologin und Paläontologin, machten die 24 Königsteiner einen gut einstündigen Rundgang durch den oberen Teil der Grube. Der heutige Durchmesser beträgt ungefähr 800 m bei einer Tiefe von ca. 60 m. Durch ständiges teures Abpumpen bietet sich das Maar bis auf einige kleine Teiche trocken dar, bewachsen mit Bäumen und Büschen. Vögel bevorzugen das Gebiet als große und relativ ungestörte Brutstätte.

Frau Wurche machte auf den schwarzblättrigen Ölschiefer aufmerksam, der in der Hand schnell zerfällt. In ihm findet man die Fossilien, die heute die Bedeutung der Grube ausmachen. Entdeckt wurden sie eher zufällig beim industriellen Abbau. Aus dem Ölschiefer wurde rund 100 Jahre lang Mineralöl gewonnen. In beiden Weltkriegen war es wegen der Blockade sehr wichtig. Im Jahr 1920 machte das Öl aus Messel sogar 37 % der gesamten deutschen Förderung aus, aber insgesamt wurde nur der Inhalt von fünf heutigen Tankern erzeugt, eigentlich eine geringe Menge für den großen Aufwand über die lange Zeit. Der Grubenbetrieb wurde 1971 geschlossen, aber die riesigen Rückstandshalden werden seit 1948 genutzt: Gemahlen ergeben sie Sand für Wege und Tennisplätze, vermischt und gehärtet Porenbeton für YTONG-Steine.

1875 fing der Industriebetrieb an, in das gleiche Jahr fiel der erste Fossilienfund: ein Krokodil! Ein Krokodil in Hessen? Ja, denn vor 40 Millionen Jahren umgab ein subtropischer Urwald den Kratersee. Die schroff abfallenden Ufer wurden für viele Tiere zur Todesfalle. Sie sanken auf den Grund und wurden für immer konserviert im sauerstofflosen Schlamm, der zu Ölschiefer wurde. Immer wieder entdeckten Wissenschaftler Sensationelles: Außergewöhnlich gut erhaltene Fische, Amphibien, Vögel, Säugetiere, Insekten und auch Pflanzenteile.

Im kleinen Museum in Messel sind die Fossilien zu bewundern. Man erkennt nicht nur die Skelette, sondern auch das Federkleid der Vögel, die Schuppen der Fische, die Platten des Schildkrötenpanzers, die Lederhaut der Schlangen und sogar die schillernden Panzer von Käfern und die irisierenden Farben der Insekten. Etwas ganz Besonderes waren die Funde der sogenannten Urpferdchen. Sie waren kleiner, höchstens so groß wie ein Schäferhund, hatten aber schon das Gebiss der heutigen Pferde (mit der Lücke für die Trense).

Die Grube Messel – ein kleines Juwel in unserer Nähe! Doch fast wäre sie in den 70er Jahren zur Mülldeponie verkommen. Nur der Klage einiger Anwohner und ihrem findigen Juristen (er entdeckte einen Formfehler in dem Antrag) ist es zu verdanken, dass noch heute wissenschaftliche Grabungen möglich sind.

Auch Joschka Fischer setzte sich damals für den Erhalt der Grube ein. Zum Dank benannte Herr Dr. Schal vom Frankfurter Senckenbergmuseum ein gefundenes Schlangenfossil nach ihm: „Paleopython Fischeri“.

Iris Mensing

 

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