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Führung durch das historische Frankfurt am 11.12.2008

Am Donnerstag, den 11. Dezember traf sich die Wandergruppe des Partnerschaftsvereins auf dem alljährlich stattfindenden Weihnachtsmarkt vor dem Frankfurter Römer. Statt Wanderung hatte Dr. Walther Sambeth dieses Mal eine zweistündige geführte Altstadtbegehung vorgesehen.
Mit Frau Mannel, Leiterin der Frankfurter Kulturothek, gingen wir zuerst zum „Archäologischen Garten“, dem Ausgrabungsfeld zwischen Römer und Dom. Dort befand sich früher die Pfalz der Karolinger, vom Sohn Karls des Großen, Ludwig, zwischen 815 und 822 erbaut. Heute sieht man die Pfalzanlage im Modell und sonst nur noch Mauerreste von der Königshalle und von den Römern, die vorher auch den sichern Domhügel besiedelt hatten. 793 kam Karl der Große erstmals nach Frankfurt, um den Winter zu verbringen. Das nächste Jahr gilt als offizielles Gründungsjahr Frankfurts, belegt durch eine Urkunde.
Entscheidend für die wichtige Rolle Frankfurts wurden später die Königs- und Kaiserwahlen. 1562 bis 1806 wurden die Kaiser sogar im Dom gekrönt und von dort zum Festmahl im Römer geführt. Der alte Krönungsweg ist verschwunden, man möchte ihn wieder herstellen. Gern würde man auch das einstmals schönste Haus Frankfurts, den Renaissance-Bau Zur Goldenen Waage des protestantischen holländischen Zuckerbäckers wieder auferstehen lassen. Es stand am Anfang des Krönungsweges, dem Dom gegenüber.
Der heutige Dom, dem heiligen Bartholomäus geweiht, hatte einen Vorgängerbau: Die romanische Salwatorkirche, vom Enkel Karls des Großen gestiftet. Gleich beim Betreten des Doms sieht man Linien in den Bodenplatten, die Umrisse der viel kleineren früheren Kirche. Dort ist auch die Grabplatte der in den neunziger Jahren entdeckten Merowingischen Prinzessin, die mit vielen wertvollen heidnischen und christlichen Beigaben bestattet worden war.
Weiter ging's zum Innenhof des Technischen Rathauses, eines Betonbaus aus den siebziger Jahren, das im nächsten Jahr gegen den Willen seines Architekten abgerissen werden soll. Dort war vor dem Krieg der Hühnermarkt. Gern würde man die Fachwerkhauszeile dort wieder aufbauen, aber wie? Einzelne kleine schlecht nutzbare Häuser, oder einen großen modernen Bau, mit der Front der alten Häuser verkleidet, mit unterschiedlichen Geschoss- und Fensterhöhen?
Hinter den schönen originalgetreu rekonstruierten Fachwerkhäusern, die wieder den Römerberg nach Osten begrenzen, befindet sich die Rapunzelgasse. Kleine Brücken verbinden die oberen Stockwerke der wieder aufgebauten Vorderhäuser mit den modernen Häusern gegenüber, aber diese Brückchen hat es auch schon früher gegeben.
Wer sich für moderne Architektur interessiert, sollte unbedingt die Stadthäuser hinter der Schirn besuchen: Jedes von einem namhaften Architekten in einem anderen Stil erbaut, aber in der Proportionen der früheren Fachwerkhäuser.
Hinter dem Historischen Museum befindet sich das älteste noch erhaltene Gebäude Frankfurts, derso genannte Saalbau aus dem 12. Jahrhundert: Von der früheren Stauferburg stehen noch die kleine Hauskapelle und der Wohnturm mit einem großen Saal im Untergeschoss. Wahrscheinlich gehörte auch die Nikolaikirche zur alten Pfalzanlage der Staufer. Dort beendeten wir unseren Stadtrundgang mit Orgelklängen. Wie bei den Orgelwanderungen der vergangenen Jahre spielte Manfred Brill für uns.
Beim Mittagessen im Paulaner hinter dem Dom beschlossen wir, uns in 10 Jahren wieder zu treffen, um zu sehen, was von den Altstadtplänen Frankfurts dann verwirklicht sein wird.

Iris Mensing

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