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Pressespiegel


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Taunus-Zeitung vom 08.03.2021

Quellenangabe: Taunus-Zeitung vom 8. März 2021, Seite 13 - von Christiane Paiement-Gensrich

Die französische Studentin war 18 Jahre alt, als sie sich in einen jungen Deutschen verliebte. 1979 heiratete das Paar, und seitdem lebt die heute 67 Jahre alte Chantal Irmen in Deutschland. Sie arbeitete unter anderem als Übersetzerin, Texterin und Dolmetscherin und gibt schon seit Jahrzehnten Französisch-Kurse für Mitglieder des Förderkreises der Städtepartnerschaft Königstein-Le Cannet.
Wer nun glaubt, die Pandemie habe den Unterricht gestoppt, der irrt sich. Ihre sieben Schülerinnen, alle weit jenseits der 70 Jahre, üben sich jede Woche eine Stunde lang gemeinsam in französischer Konversation. Seit es zu kalt ist, um sich mit Abstand im Garten zu treffen, macht eine Zoom-Videokonferenz den Unterricht möglich.

Die moderne Technik, anfangs von den eifrig Französisch parlierenden Seniorinnen mit gewissem Respekt betrachtet, habe sich schnell als praktisch und leicht zu handhaben erwiesen, berichtet die Lehrerin. "Ein bisschen Hilfestellung von Verwandten hatten die Teilnehmerinnen zum Start, aber jetzt läuft es richtig gut. Sie sind begeistert dabei, und der Kurs ermöglicht es uns, über etwas anderes als Corona zu sprechen."Der wöchentliche Termin strukturiere die Woche. Und was ganz wichtig für die Seele sei: "Er gibt uns allen die Gelegenheit, uns fein zurecht zu machen und die Frisur zu richten." Immerhin sei das virtuelle Treffen ja ein bisschen wie auszugehen.

Am vorigen Donnerstag stand ein französischer Zeitungsartikel über den impressionistischen Maler Claude Monet auf dem Stundenplan. "Als Monet 39 Jahre alt war, verlor er seine Frau", berichtet Irmen. 1879 sei das passiert, ein Jahr mit einem besonders harten Winter. Viele Menschen starben damals vor Kälte. "Seine Trauer verarbeitete Monet beim Arbeiten im Freien. Er hat furchtbar gefroren und dabei wunderschöne Bilder gemalt." Für die Kursteilnehmerinnen war der Text Anlass, auch darüber zu sprechen, dass es in früheren Jahren ebenfalls schwere Zeiten auf der Welt gegeben habe. Ein bisschen tröstlich sei das angesichts der Corona-Pandemie gewesen.

"Es muss nicht alles perfekt sein"

Immer wieder korrigiert die Lehrerin bei diesen Diskussionen Aussprache und Wortwahl. Scherzhaft sagt sie dann manchmal: "Sie wollen ja schließlich nicht, dass ein Franzose sie auslacht." Viele Begriffe passten einfach nicht, auch wenn sie im Wörterbuch stünden. Mit dem Sprachniveau ihrer Schülerinnen sei sie aber zufrieden. "Sicher ist nicht alles perfekt, aber das muss auch nicht sein. Hauptsache, etwas ist klar formuliert." Und: "Für mich ist es ein Freude, diese Kurse zu halten."
Jetzt wollen wir die aus Nordfrankreich stammende Pädagogin aber auch noch ein bisschen mehr von sich selbst erzählen lassen. Wir haben nämlich neugierig gefragt, wie sie eigentlich damals ihren Mann kennengelernt hat.
Sie verrät uns: "Ich war Mitglied eines Chores, und wir waren nach Koblenz zu einem Konzert eingeladen." Ihre erste Reise ins Ausland sei das gewesen. "Von unserem Reisebus aus winkten wir unterwegs den Autofahrern zu. Und in einem der Autos saßen zwei nette junge Männer." Mit einem der beiden ist sie nun seit über 40 Jahren verheiratet.
Wer Lust bekommen hat, bei dem Konversationskurs mitzumachen, der darf sich gern melden. "Wir haben noch Plätze frei", sagt Irmen und betont: "Auch Herren sind willkommen." Informationen gibt es auf der Internetseite des Förderkreises unter www.le-cannet.de

"Städtepartnerschaften tragen zum Erhalt des Friedens in Europa bei"

Sprachkurse in der Pandemie-Zeit findet Wolfgang Riedel enorm wichtig. "Das stärkt die Nähe und Verbundenheit zu unserer Partnerstadt", sagt der Vorsitzende des Förderkreises der Städtepartnerschaft Königstein-Le Cannet. In der Stadt an der Côte d'Azur (Frankreich) gelten derzeit viel strengere Beschränkungen als in Deutschland, berichtet er. Zuletzt war er im Februar 2020 dort. "Das war kurz vor dem Lockdown."
In der Hoffnung, dass sich die Lage entspanne, gelte es jetzt, die Festivitäten zum 50-jährigen Bestehen der Partnerschaft vorzubereiten. Nächstes Jahr solle das Jubiläum in Königstein groß gefeiert werden und 2023 in Le Cannet.
Riedel ist von Anfang an im Förderkreis dabei. "1972, mit 19 Jahren, habe ich an der ersten Jugendfahrt nach Frankreich teilgenommen. Das war damals eine große Sache", erinnert sich der heute 68-Jährige. Reisen ins Ausland waren längst nicht so geläufig wie heute. Lange Zeit war Riedel stellvertretender Vorsitzender, seit 2015 steht er an der Spitze des Vereins mit derzeit 255 Mitgliedern.
Französisch-Kurse biete der Förderkreis schon seit Jahrzehnten an, berichtet Riedel. Alle Teilnehmer seien derzeit Senioren. Dass der Konversationskurs von Chantal Irmen per Zoom-Videokonferenz laufe, findet er toll. Auch der Auffrischungskurs von Ingrid Behret habe trotz Pandemie noch eine Zeit lang stattfinden können: "Im Sommer im Garten der Kursleiterin mit großem Abstand voneinander." Dieser Kurs ruhe derzeit. Er hoffe aber, dass der Unterricht bei höheren Außentemperaturen im Freien weitergehen könne.
Die politische Bedeutung der Städtepartnerschaften schätzt Riedel sehr hoch ein: "Sie leisten einen großen Beitrag zur Erhaltung des Friedens in Europa", betont er. In seinen fast 50 Förderkreis-Jahren sei er rund 350 Mal in Le Cannet gewesen. Dort und in Cannes kenne er fast jede noch so kleine Seitenstraße.

Die Jahreshauptversammlung seines Vereins unterdessen muss jetzt Pandemie-bedingt verschoben werden. Sie war für den 26. März geplant und soll am Freitag, 21. Mai, nachgeholt werden. cg

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