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Taunus-Zeitung vom 19.04.2021

Quelle: Taunus-Zeitung vom 19. April / Stefan Jung

Eineinhalb Meter sollte man in Zeiten der Pandemie Abstand zu seinen Mitmenschen halten. Die Königsteiner allerdings gehen in diesen Tagen gezwungenermaßen noch sehr viel mehr auf Distanz. Zwischen 319 und 1090 Kilometer trennen sie von ihren guten Freunden in der Oberpfalz und an der Elbe, in Frankreich und in Polen.

So ist es seit Freitag an einem hölzernen Schilderbaum abzulesen, der vor dem Rathaus der Kurstadt aufgestellt wurde. Das neue Wegezeichen der Freundschaft zeigt in die Himmelsrichtungen, in denen die Königsteiner Partnerstädte liegen und soll die bisherige Hinweistafel an der Georg-Pingler-Anlage ersetzen.

Pingler-Anlage? Es dürfte nicht wenige Menschen in der Kurstadt geben, die erst mal überlegen müssen, wo diese sehr kleine Schwester von Kurpark, Adenauer- oder Faßbender-Anlage überhaupt zu finden ist. Zur Aufklärung: Es ist das von Hecken eingefasste Inselchen an der Ecke Kirch- und Herzog-Adolph-Straße - gleich gegenüber der "Alten Apotheke". Und dort finden sich nicht nur ein Brunnen, der dem Vater der Königsteiner Kur gewidmet ist, und Parkbänke, sondern eben auch ein Schilderbaum im Zeichen der Städtefreundschaften. Allerdings nur der innerdeutschen.

Erst innerdeutsch jetzt europäisch

Hans Koch, langjähriger und offensichtlich auch handwerklich sehr begabter Bürgermeister von Königstein in der Oberpfalz, hatte drei dieser Schilderbäume selbst gebaut, um die 1994 begründete Freundschaft der Königsteiner in Sachsen, Bayern und Hessen zu würdigen. Ein Exemplar blieb in der Oberpfalz, eines ging als Geschenk in die Sächsische Schweiz und eines in den Taunus.

Zuletzt jedoch war das schöne Präsent nur noch wenig präsentabel. Der Zahn der Zeit und das Wetter hatten sich doch arg ins Holz gefressen. Ein Hingucker war das nicht mehr. Diesen Eindruck hatte auch Stadträtin Evelina Ebeling (SPD) und ihre Kollegen im Magistrat darauf aufmerksam gemacht.

Ersatz sollte her - und wenn, dann gleich ein richtiger. Mit allen Städtepartnerschaften und an prominenterer Stelle. Zu diesem Schluss kamen Gerd Böhmig von der Stadtverwaltung und Stadrätin Katja Metz (CDU) als Vertreterin des Freundeskreises der Städte Königstein als sie sich daran machten, einen neuen Wegweiser der Freundschaft zu setzen.

Die Vorsitzenden der anderen Partnerschaftsvereine, so Metz, seien von der Idee eines ,Baums der Partnerschaften' wie auch vom Standort vor dem Rathaus sofort überzeugt gewesen.

Und nicht nur das. Stellvertretend für ihre Vereine signalisierten Walter Krimmel (Le Mêle), Wolfgang Riedel (Le Cannet), Achim Drescher (Kórnik) und auch ihr Amtskollege Lutz Paul vom Freundeskreis der Städte Königstein eine Kostenbeteiligung von jeweils 500 Euro. Den Rest der insgesamt 3665 Euro für Material und Beschaffung übernahm die Stadt. Der städtische Betriebshof kümmerte sich um Aufbau und Ausrichtung des stämmigen Achtecks aus Douglasien-Holz. Der ragt jetzt unübersehbar vor dem Rathaus in die Höhe, in direkter Nachbarschaft des Mêloiser Brunnens und vis-à-vis des Eingangs zur Stadtverwaltung.

Partnerschaft mit Faringdon im Blick

Prominenter geht es kaum - oder doch? Bei der offiziellen Indienststellung des Wegweisers der Freundschaft am Freitagmittag regte Bürgermeister Leonhard Helm (CDU) an, doch auch den bislang namenlosen Rathausvorplatz in nicht allzu ferner Zukunft zu taufen. "Europaplatz" zum Beispiel, so der Rathauschef. Das mache sich nicht nur gut auf Straßenkarten und bei Google Maps, sondern würdige auch die grenzübergreifenden Freundschaften. Gerade die seit einem Jahr andauernde Pandemie mit ihren Reisebeschränkungen mache deutlich, wie sehr man die Freunde in Kórnik, Le Cannet und Le Mêle vermisse, wie sehr der Austausch mit den Namensvettern in Sachsen und in Bayern fehle.

So schwierig es auch derzeit sei, diese Freundschaften mit Leben zu füllen. So wichtig sei es, dass man sie in den Mittelpunkt stelle. Helm: "Wir dürfen beim Einsatz für ein vereintes Europa nicht locker lassen." Und das auch über die Grenzen des Brexits hinweg.

Der Königsteiner Rathauschef bestätigte in diesem Zusammenhang Überlegungen, eine Partnerschaft mit dem englischen Städtchen Faringdon (siehe unten) einzugehen. Der zuletzt noch amtierende Magistrat habe dieser Idee sehr positiv gegenüber gestanden. Helm: "Ob wir versuchen, entsprechende Schritte in die Wege zu leiten, soll allerdings dann der neuformierte Magistrat entscheiden." Wann? Sicher nicht in der ersten Sitzung, so der Bürgermeister lachend. Aber doch auch nicht in allzu weiter Ferne.

An dem Schilderbaum sollte auf jeden Fall noch genug Platz für eine weitere Partnerstadt sein. Obschon sich bei der Ausrichtung der Wegweiser nach Süd, Ost, West und Nord doch bereits einige Herausforderungen ergaben.

Wie Gerd Böhmig am Freitag erklärte, zeigen die hölzernen Pfeile mit Wappen, Name und Distanz-Angabe nicht punktgenau in die Richtung der jeweiligen Partnerstädte. Dazu hätten einige Orte in Sachen Himmelsrichtung doch zu nah bei einander gelegen. Man sei jedoch sehr nah dran.

Wolfgang Riedel, Vorsitzender des Förderkreises der Städtepartnerschaft mit Le Cannet, machte bei der Einweihung gleich mal die Probe aufs Exempel, holte via Handy den Kompass aus der Tasche, peilte den Holzpfeil und die Côte d'Azur an und stellte fest: Das sollte passen.

Übrigens: Was noch nicht ganz passt, aber noch passend gemacht werden soll, ist der Hinweis auf Königstein in Sachsen. Dort hat sich bei "Königstein Sächs: Schweiz" ein Doppelpunkt ins Holz eingebrannt, wo doch nur ein Punkt stehen sollte. Nach Auskunft von Gerd Böhmig wird das korrigiert.

Kaum war der neue Partnerschaftsbaum am Freitag enthüllt, zückten die anwesenden Vertreter der Partnerschaftsvereine auch schon ihre Handys und schossen Fotos - für die eigenen Mitglieder, vor allem aber auch für die Freunde in Le Cannet, Le Mêle, Kórnik und den beiden anderen Königsteins.

Denn bis die den "Baum" der Freundschaft selbst in Augenschein nehmen können - das kann noch dauern. Die Pandemie hat seit einem Jahr fast jeder Begegnung einen Strich durch die Rechnung gemacht. "Eigentlich wären wir über dieses Wochenden bei unseren Freunden zum Dreikönigstreffen in der Oberpfalz", betonte Lutz Paul vom Freundeskreis der Städte Königstein am Freitag. Aber eben nur eigentlich. Wie Paul bedauern auch Walter Krimmel und Achim Drescher, dass auch die Kontakte nach Polen und in die Normandie - wenn überhaupt - nur mit Hilfe von Telefon, E-Mail und Handy gehalten werden können.

Wolfgang Riedel versucht das Beste daraus zu machen. Er tauscht sich mit den Cannetanern regelmäßig via Whatsapp und Co. aus. So auch mit Königsteins Ehrenbürger, Gaston Fischesser, der ebenso wie seine Frau mittlerweile geimpft sei. Ein Lichtblick, so Riedel, dem weitere folgen sollen. Noch hat der Vorsitzende des Förderkreises der Städtepartnerschaft mit Le Cannet die Hoffnung, dass sich Königsteiner und Franzosen im Juni zur Wanderwoche treffen können. Auf jeden Fall fest im Blick ist das 50-jährige Bestehen der Städtepartnerschaft im kommenden Jahr. sj

 

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