Königstein (as) – Freunde der Provence und der Cote d’ Azur sind heiße Temperaturen gewohnt. Das zeigte sich eindrucksvoll am Sonntagmittag rund um den lauschigen Le-Cannet-Platz in der Limburger Straße. Denn um 12 Uhr, dem offiziellen Beginn des 29. Lavendelfestes des Förderkreises der Statädtpartnerschaft Königstein – Le Cannet, trudelten die Gäste nicht langsam ein, wie das zu einer solchen Zeit eigentlich üblich ist. Praktisch alle Tische und Bänke waren bereits voll besetzt, bei knappen 30 Grad zum großen Teil glücklicherweise durch die Schirme und umstehenden Bäume beschattet. Und an der Cocktail-Bar herrschte bereits Andrang, um einen Lavendel Spritz zu ergattern. Erwartungsvolle Stimmung herrschte im Publikum, das so etwas wie das „Who is who“ in Königstein repräsentierte – Spannung zum einen auf die neue Lavendelkönigin und zum anderen auf das Traditionsgericht bei diesem Feinschmeckerfest, Lammbraten mit Rosmarinjus, Ratatouille und Kartöffelchen, dazu gerne ein Rosé aus der Provence.
Alexander Hees, der Vorsitzende des Förderkreises und normalerweise nicht gerade bekannt dafür, verbal mit Superlativen um sich zu werfen, meinte etwas später, als er den Blick über den Festplatz in der gesperrten Limburger Straße schweifen ließ: „Ich wage es zu sagen, es waren noch nie so viele Gäste auf diesem Fest.“ Ja, man hätte auch die letzten drei verfügbaren Tischgarnituren, die Gerd Pfaff, einer der treuesten Helfer, in Absprache mit dem Orgateam in seinem Lager in der Thersenstraße belassen hatte, noch gut füllen können.
Da also alle so früh am Platz waren, spannte Hees auch mit dem kurzen offiziellen Teil des Lavendelfestes niemanden lange auf die Folter. Er freue sich nicht nur, „ein Stück Provence und Cote d’Azur nach Königstein zu holen“, sondern auch viel Prominenz begrüßen zu dürfen : angefangen mit Bürgermeisterin Beatrice Schenk-Motzko, über den Bundestagsabgeordneten des Wahlkreises Norbert Altenkamp (beide CDU), Stadtverordnetenvorsteher Klaus-Michael Otto (FDP), eine große Abordnung der Hohen Burgfrauen des Burgvereins, einige (ob der Hitze nicht gewandete) Herren der Historischen Festungsgarde, Gäste der Städtepartnerschaft Kronberg – Le Lavandou bis hin zur jüngsten Hoheit der Stadt, Concordia Katharina I. als Repräsentantin der Chorgemeinschaft 1860, erst seit zwei Monaten in Amt und Würden.
Lediglich Burgfräulein Málva I. und die scheidende Lavendelkönigin Helena I. fehlen studien- bzw. urlaubsbedingt in diesem großen Kreis. Und die „Fontaine du Cannet“, sprudelte wieder herzhaft. Die Mitarbeiter des Betriebshofs hatten den schicken Brunnen, der als Geschenk aus Frankreich zum 25-jährigen Bestehen der Partnerschaft im Jahr 1997 zur erstmaligen Ausrichtung des Festes im Jahr darauf animiert hatte, gerade noch rechtzeitig aus dem sehr langen Winterschlaf geholt und den Platz hergerichtet. Auch dafür gab es ein Dank von Seiten des Förderkreises, wie generell an alle treuen Unterstützer des Fests aus Komitee, Verein und von Dritten.
Katharina I. war es dann auch, der die Ehre zuteil wurde, der neuen Lavendelkönigin Ricarda I., bürgerlich Ricarda Baecker, den Lavendelkranz auf das Haupt zu setzen. Die Bürgermeisterin, die das sommerliche Treffen als „feste Größe in der Stadt“ würdigte, steuerte noch die von ihr gestiftete lavendelfarbene Schärpe, die es seit vergangenem Jahr auch für die Lavendelkönigin gibt, bei. Schließlich gelte es, die junge Dame, 16 Jahre alt, überall als Repräsentantin auch der Stadt Königstein zu erkennen, zuvorderst natürlich beim Empfang des Hessischen Ministerpräsidenten Boris Rhein im Schloss Biebrich. Ricarda I. folgt in dem Amt einige Jahre auf ihre Schwester Ariane – ein Aktivposten des Vereins – und stellte sich sehr souverän vor, etwa, dass sie auf die St. Angela-Schule geht und gerne Klavier spielt. Nach dem Applaus war ihre erste Aufgabe, gemeinsam mit ihrer Schwester die Säckchen mit Lavendelseife zu verkaufen. Derweil probierten viele Gäste als Aperitif vor dem Lammbraten den geheimnisvoll in hellem Lila schimmernden Lavendel Spritz, dessen Anblick allein schon neugierig machte. „Der Vorstand hat Kontakt nach Frankreich und man kommt ja auch ein bisschen rum“, sagte Hees auf die Frage, wo denn das Getränk entdeckt wurde. Und interessanterweise habe die FAZ einen Tag nach dem Beschluss der Cannetaner einen Artikel veröffentlicht, in dem genau dieser Lavendel-Spitz an die Spitze der Sommerdrinks gesetzt wurde. Ins Glas kommen ein Schuss Lavendellikör, ein guter Sekt des Lieblings-Winzers einiger Königsteiner Vereine aus Eltville, ein Spritzer Mineralwasser, ein paar Eiswürfel und ein Lavendelzweig.
Die Meinung, wie die Neuheit des Lavendelfests denn schmecke, reichte von „sehr süß“ über „lecker“ bis „erfrischend“ – über Geschmack lässt bekanntlich nicht streiten. Und streiten muss nach dem provenzalischen Sonntag auch niemand darüber, dass die Königsteiner Frankreich, die Provence und die Partnerschaft mit Le Cannet in ihren Herzen tragen: „Vive le Jumelage“.
Kinomatinée in Kronberg
Weiter geht das Programm der Cannetaner bereits am Sonntag, 23. August. Gemeinsam mit den Freunden von Kronberg – Le Lavendou zeigen sie in den Kronberger Lichtspielen den Film „Liebesbriefe aus Nizza“. Einlass zum Sektempfang ist um 11 Uhr, Filmstart um 11.30 Uhr. Der Eintritt beträgt 25 Euro. Anmeldung unter info@le-cannet.de.


