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Tagesausflug nach Wetzlar

Beitrag vom 15. November 2025 unter: Aktuelles, Berichte, Bildergalerien

„Das Auge muss lernen zu hören, bevor es schaut.“ Die Welt der Optik und des Familienunternehmens der Firma Leitz war das Ziel der 25 Mitglieder des Förderkreises der Städtepartnerschaft, darunter auch der Vorsitzende des Vereins Alexander Hees, die sich am 14. November auf Einladung des Wander- und Kulturteams auf den Weg nach Wetzlar gemacht hatten.
Auf dem Programm stand eine Führung durch den Leitz-Park mit Sitz der Leica Camera AG, der Besuch des Ernst Leitz Museums sowie eine private Führung durch das Haus Friedwart, bis 1985 das private Wohnhaus der Familie Leitz. Das Unternehmen Leitz wurde 1869 von Ernst Leitz gegründet. Schnell wurde es zu einem führenden Anbieter von Mikroskopen, ab 1924 auch von Kameras. Nach Fusionen 1986 und 1990 wurde die Leica Gruppe gebildet.

„Ich entscheide hiermit, es wird riskiert“

Der Name Leica ist eine Abkürzung und eine Kombination aus den Worten Leitz (dem Nachnamen des Unternehmensgründers und Geschäftsführers Ernst Leitz) und Camera. In diesem Jahr wurde das 100-jährige Bestehen der „Leica I“, der ersten serienmäßig produzierten Kleinbildkamera, unter dem Motto „100 Jahre Leica: Zeugin eines Jahrhunderts“ mit verschiedenen kulturellen Höhepunkten in Wetzlar gefeiert. Der Feinmechaniker Oscar Barnack hatte die Idee zu einer Kleinbildkamera in Taschenformat, mit der es erstmals möglich war, zu fotografieren, ohne dass die Beteiligten es bemerkten. Mit der legendären Aussage „Ich entscheide hiermit, es wird riskiert“ des Firmeninhabers Ernst Leitz II. begann im Jahr 1925 die serielle Produktion der „Leica“.

Bei der Führung durch den Leitz Park, ein multimedialer Erlebnisbereich, erfuhren die Beteiligten alles über die bahnbrechende Geschichte von der ersten Kleinbildkamera Leica und der Fertigung „Made in Germany“, bis hin zum Entstehen dieses riesengroßen Areals mit den futuristisch anmutenden Gebäuden, die zum Teil Formen der Optik und Fotografie aufgreifen.
Nach dieser, mit beeindruckenden Information gespickten Führung stand der nicht minder interessante Besuch des Ernst Leitz Museums auf dem Programm. Das Museum würdigt die Geschichte des Unternehmens Ernst Leitz Wetzlar, die Entwicklung von Kameras, Objektiven und der Leica-Marke. Es zeigt Ausstellungen zu Technik, Fotografie Geschichte und den Meilensteinen der Optikentwicklung. Daneben lässt es die faszinierende Welt der Optik auch erlebbar werden.

Haus Friedwart – das Zuhause der Familie Leitz

Nach der Mittagspause im „Café-Leitz“ fuhren die Teilnehmer den Berg hinunter nach Wetzlar, wo sich auf einer kleinen Anhöhe das Haus Friedwart, der Familiensitz der Leitz mit herrlichen Blick über Wetzlar, befindet. Gebaut wurde die Jugendstil-Villa zwischen 1914 und 1917 für Ernst Leitz II. Den Rohbau entwarf der Wetzlarer Architekt Jean Schmidt, die Außenarchitektur weist eine neoklassizistische Grundstruktur auf, kombiniert mit Jugendstilelementen, etwa durch den Säulenportikus und das Mansarddach. Der bekannte Architekt und Designer Bruno Paul entwickelte den zunächst sehr nüchtern gehaltenen Entwurf weiter und sorgte durch die Innenarchitektur für eine repräsentable und warme Wohnatmosphäre. Das Mobiliar, Lampen, Heizkörperverkleidung usw. sind im Original erhalten – ein selten intaktes Ensemble.
Das Zuhause der Familie Leitz wurde im Laufe der Jahrzehnte zu einem Treffpunkt für Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Wissenschaft, Politik und Kultur. Theodor Heuss, Konrad Adenauer und Albert Schweitzer waren hier zu Gast sowie die berühmten Fotografen Henri Cartier-Bresson und Alfred Eisenstaedt. Heute wird das Haus Friedwart vor allem für Empfänge und Kammerkonzerte genutzt. In diesem Haus wurde im Jahr 1960 auch die Städtepartnerschaft zwischen Wetzlar und Avignon besiegelt, die gerade ihr 65-jähriges Bestehen gefeiert hat.

Empfang durch den Urenkel von Ernst Leitz II. Dr Oliver Nass

Empfangen wurde die Königsteiner Gruppe von Dr. Oliver Nass, Urenkel von Ernst Leitz II. und Vorsitzenden der Ernst Leitz Stiftung, der auf Vermittlung von Dieter Paschenda, Mitglied im Förderkreis,
eine für alle Teilnehmer durch seine Authentizität beindruckende und hoch interessante private Führung durch dieses geschichtsträchtige Haus gab.
Die Ernst Leitz Stiftung setzt sich unter anderem für den Erhalt des Hauses Friedwart, aber auch für Kultur, Völkerverständigung und Erinnerung an die Leitz-Unternehmerfamilie ein.
Ernst Leitz II. gilt wegen seines humanitären Engagements als eine bemerkenswerte Persönlichkeit. Die sogenannte „Leica Freedom Train“ (Leitz Freedom Train) bezeichnet die verdeckte Hilfe, mit der er jüdische Mitarbeiter und deren Familien ins Ausland brachte. Das Unternehmen verschaffte Betroffenen Auslandsstellen und Visa – ein bedeutender, mutiger Akt ziviler Hilfe in schwierigen Zeiten. Gezeigt wurde auch ein kleiner Film von damaligen Zeitzeugen, deren Aussagen allen Beteiligten das schreckliche Verbrechen der Nationalsozialisten vor Augen führte.
Mit seinem umfassenden Wissen über das Haus Friedwart und die gesamte Familiengeschichte Ernst Leitz beindruckte Dr. Oliver Nass, der mit seiner Familie in Paris lebt, seine Zuhörer. Er ist unter anderem Mitbegründer und Mitglied des Vorstands des CEFA, deutsch-französischer Wirtschaftsclub, und ist Vorsitzender des Kuratoriums der Vereinigung Deutsch-Französischer Gesellschaften für Europa.

Hees dankte Nass mit einem Weinpräsent

Der Vorsitzende des Förderkreises, Alexander Hees, dankte Nass für seine einfühlsamen und hoch interessanten Ausführungen über das Haus Friedwart und die Geschichte der Familie Leitz. Er überreichte ihm ein Weinpräsent und lud in ein, sich bei nächster Gelegenheit in Königstein auch ein Bild von der deutsch-französischen Partnerschaft zwischen Königstein und Le Cannet zu machen.
Bevor die Teilnehmer den Heimweg antraten setzte sich Dieter Paschenda, der ebenfalls ein Weinpräsent erhielt, an einen der drei Flügel im Haus und stimmte die Europa-Hymne an, die alle Königsteiner dankbar mitsangen.

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