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Er ist die Seele der Städtepartnerschaft

Beitrag vom 8. März 2024 unter: Pressespiegel

Presse: Artikel vom 08.03.2024, Taunus Zeitung

Weit über eine bloße Mengenangabe reicht diese Zahl hinaus: Mehr als 250 Mal habe er in den vergangenen fünf Jahrzehnten Le Cannet (Frankreich) besucht, sagt Wolfgang Riedel und blickt auf die Zeit von 1972 bis heute zurück. Auf das Jahr umgerechnet sind das zwischen fünf und sechs Aufenthalte in Königsteins mediterraner Partnerstadt.

Beispielgebend und vorbildlich

„Ohne jeden Zweifel, die sehr gute und enge Verbindung beider Städte hat mein Leben geprägt“, stellt der Vorsitzende des Förderkreises Städtepartnerschaft fest und hebt den qualitativen Aspekt seiner Aufenthalte am Fuß der französischen Seealpen hervor. Was umgekehrt nicht minder zutrifft. Denn Riedel, seit Gründung des Vereins im Komitee aktiv, später unter dem heutigen Ehrenvorsitzenden Reinhard Siepenkort dessen Stellvertreter, verlieh den Aktivitäten des Förderkreises sowohl Gesicht als auch inhaltliche Kontur. Er tat es auf seine ganz unverwechselbare Weise.

Dafür ließen sich gängige Adjektive anführen, beispielsweise engagiert, ideenreich, versiert, aufgeschlossen, vorausschauend, lebensklug. In der beispielgebenden Haltung, dem vorbildlichen Stil des ehemaligen Bankkaufmanns gewinnen sie jedoch erst ihren tieferen Sinn, ihren wahren Wert. „Je größer der Einsatz für die Städtepartnerschaften, desto mehr trägt jeder Einzelne für den Frieden bei“, unterstreicht Riedel die europäische Perspektive. Hochgeehrt kehrte er im vergangenen Sommer von seiner letzten Reise als Vorsitzender aus der Stadt an der Côte d’Azur zurück. Den goldenen Schlüssel Le Cannets empfinde er als „ganz besondere Auszeichnung“, zeigt er sich im Gespräch mit der Taunus Zeitung dankbar und bewegt. Den Vorsitz im Förderkreis will er jetzt abgeben. Der Schritt markiert für den Verein das Ende einer Epoche. Nach dem Höhepunkt des 50-jährigen Jubiläums der Verschwisterung aus dem Amt scheiden zu können nennt der 1953 geborene Königsteiner ein „sehr schönes Geschenk“.

Er liebt Reisen und sein Saxofon

Dass das kaum zu überschätzen ist, wird deutlich, wenn Riedel über seine Kindheit und die Schulzeit berichtet. Gerade einmal sieben Jahre zählte er, als der Vater starb. Mutter Ingeborg musste die Tochter und die Zwillingssöhne unter schwierigen Bedingungen aufziehen. Ihr Einkommen verdiente „IR“, wie das Kürzel der 2017 hochbetagt Verstorbenen lautete, als sachkundige und hochgeschätzte Journalistin bei der TZ. Leicht habe es die ausgebildete Konzertsängerin und Klavierlehrerin nicht gehabt, sagt ihr Sohn: „In der Schule war ich ein rechter Tunichtgut, Ehrenrunden inbegriffen.“ Eine Lehrstelle bei der Deutschen Bank legte quasi „den Schalter um“, wie Riedel es formuliert. In dem damals von Franz Heinrich Ulrich als Sprecher des Vorstands geführten Haus erlernte der 17-jährige Schulabgänger den Beruf des Bankkaufmanns. Es war der Beginn eines 43 Jahre währenden Berufsweges, der Riedel bis in die Position eines Abteilungsdirektors im Devisenhandel führte. Dass er mit 60 pensioniert werden wollte, hätten er und Ehefrau Martina entschieden, als er 50 wurde, sagt der rührige 70er. Sport steht bei dem merklich jünger wirkenden Mann von schlanker Eleganz nach wie vor auf dem Programm. Nordic Walking und Wandern halten ihn fit, Ersteres mindestens zehn Kilometer pro Tour, Letzteres besonders gerne bei den deutsch-französischen Wanderwochen im Sommer. Freude bereitet ihm sein Saxofon. „Damit habe ich direkt beim Eintritt in den Ruhestand angefangen“, erzählt er stolz. Aber auch die gemeinsamen Reisen mit der Partnerin seines Lebens bereichern ihn mit neuen Eindrücken. Südtirol, die Dolomiten, zählen zu ihren bevorzugten Zielen. Seit 1981 sind Martina und Wolfgang Riedel miteinander verheiratet.

Die Tochter ist allzeit Ehrenmitglied

Regelrecht zu funkeln beginnt das Augenpaar, wenn Wolfgang Riedel von der Enkelin erzählt. Gut zehn Monate zählt die kleine Marie, Nachwuchs von Sohn Sebastian. Exakt an jenem Wochenende, da Königstein und Le Cannet ihr Zehnjähriges feierten, erblickte Tochter Bernadette das Licht der Welt. Der Förderkreis nahm sie sogleich als Ehrenmitglied auf Lebenszeit auf. Das Glas sei für ihn „immer halbvoll“, sagt der Optimist mit einem ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit. Das lasse ihn immer wieder „klar Position beziehen“, unterstreicht er. Das tut er seit dem vergangenen Jahr in der „durchaus heiklen Funktion des Protokollers“ der Fastnachtssitzung des Königsteiner Narrenrings.

Fällt ihm der Abschied aus der ersten Reihe der Städtepartnerschaft schwer? Ämter seien immer Aufgaben auf Zeit, sagt Riedel. „Mein Nachfolger wird das anders machen als ich, genauso wie ich es anders gemacht habe als mein Vorgänger.“ Wichtig war ihm, die Weichen rechtzeitig zu stellen und einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten. Übernehmen soll bei der Hauptversammlung am 15. März sein bisheriger Stellvertreter Alexander Hees. Aufmerksam und achtsam wird Riedel weiter durch die Welt gehen. Was ihm gefällt, was ihn anregt, das wird der begeisterte Fotograf aus der ansprechendsten Perspektive im Bild festhalten.

Versammlung mit Neuwahl und Ehrungen

Der Königsteiner Förderkreis der Städtepartnerschaft steht vor Neuwahlen, nimmt Ehrungen vor und stellt sein Programm für 2024 vor. All dies geschieht bei der Hauptversammlung am Freitag, 15. März. Das Treffen beginnt um 19.30 Uhr im Raum Altkönig des „Hauses der Begegnung“ (Bischof-Kaller-Straße 3). Der Verein nutzt es, um die neue Internetseite vorzustellen. Nach dem offiziellen Ende der Versammlung folgt ein „Gedankenaustausch in gemütlicher Runde“. Der Vorstand betont: „Gäste und Interessenten sind wie bei allen unseren Veranstaltungen herzlich willkommen.“ ask

Quellenangabe: Taunus Zeitung vom 08.03.2024, Seite 15

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