Königstein (ubo) – Gedeckter in den Farben wirkten die felsigen Formationen, dafür jedoch kräftiger, plastischer, konturenstärker. Gegenüber dem Kreuzjoch schien die massige Ochsenwand noch eine Spur wuchtiger dank der Wolken, die in vielfältigen Graustufen die Szenerie prägten. Fasziniert folgte die Wandergruppe, just den Vierergondeln der Seilbahn entstiegen, dem alpinen Schauspiel auf gut 2100 Meter Höhe über dem Örtchen Fulpmes. Zum Finale der deutsch-französischen Wanderwoche hatten sich sowohl Organisator Wolfgang Riedel als auch die beiden Bergführer Christine und Mane einen besonderen Höhepunkt aufgespart.
Die Wanderwoche ist ein fester Bestandteil der Städtepartnerschaft
Denn von der Aussichtskanzel ließ sich die Bergwelt des Tiroler Stubaitals vorzüglich überblicken: die majestätischen Erhebungen ebenso wie der langgestreckte Talboden, der hinter Ranald gleichsam in drei Fingern ausläuft. Insgesamt mehr als 20 Königsteiner und Cannetaner Teilnehmer reisten dafür in das weithin bekannte Tal oberhalb der Tiroler Landeshauptstadt Innsbruck. Zurückzulegen hatten die französischen Freunde immerhin rund 730 Kilometer von der Côte d‘Azur aus. Die Wanderwoche zählt seit vielen Jahren zu den festen Bestandteilen des Kalenders des Förderkreises Städtepartnerschaft Le Cannet-Königstein.
Hängebrücke in tiefhängenden Wolken
Dicht gefüllt die sieben Tage mit Bewegung, aber auch unzähligen Gesprächen sowohl während der Wanderungen als auch davor und danach. So ging es in steilem Anstieg zur spektakulären Hängebrücke am „Sunnseit‘n Weg“. Die tiefhängenden Wolken gaben ihr und der klaftertief gähnenden Schlucht eine tiefgeheimnisvolle Anmutung. Bei strahlender Sonne brach die Gruppe auf zur Wallfahrtskirche Maria Waldrast. Die ruhigeren Vertreter nahmen den breiten Weg mit gemächlichen Steigungen und Gefällen, während die mehr sportlich Ambitionierten durch Wald und Dickicht auf schmalen Pfaden schritten. Beide Varianten waren durchweg im Angebot.
Abwärts mit Sommerrodelschlitten
Wenig beeindrucken ließen sich von den durchziehenden Besuchern die wiederkäuenden Paarhufer auf den Almen, mitunter brach ein Exemplar davon nicht ganz so anmutig wie ein Reh aus dem Wald. Obgleich die Sonne schien und die entfernteren Gipfel unter ihren Schneehauben platinfarben leuchteten, breitete sich doch merkliche Kühle aus an den Mittagstischen im Freien. Manche ließen es sich nicht nehmen, statt beschaulich in der Gondel zu Tal zu schweben, die deutlich schnellere Variante der Sommerrodelschlitten auszuprobieren. Unter großem Hallo wurden die Mutigen an der Talstation begrüßt. Besser hätte die Wahl des Hotels in Neustift kaum ausfallen können, hielten doch die Linienbusse direkt vor dem charakteristischen Gebäude. Dergestalt war denn der Bahnhof Fulpmes rasch erreicht, von wo die straßenbahnähnlichen Gliederzüge in zahlreichen Windungen gen Innsbruck abfuhren.
Innsbruck und das „Goldene Dachl
Der Bischofs- und Universitätsstadt behielten die Planer einen Tag vor. Dom, Museen, das berühmte „Goldene Dachl“ nahmen die Besucher in Augenschein, genossen jedoch ebenso das Speisen- und Getränkeangebot, darunter eine sensationelle heiße Orange. Leicht fiel der Abschied nach einer ebenso ereignisreichen wie eindrücklichen Woche nicht. Aber: „Nach der Wanderwoche ist vor der Wanderwoche“, wie Planer und Organisator Riedel ankündigte. Im kommenden Jahr sei denkbar, mit Rucksack und Wanderschuhen die Gegend um Seefeld, ebenfalls in Tirol, jedoch nördlich des Inns, zu erkunden.
Die Wandergruppe auf einem der zahlreichen spannenden Wegabschnitten.
Fotos: Wolfgang Riedel
Deutschland trifft Frankreich in Österreich. Die Wanderwoche des Förderkreises Königstein–Le Cannet hat beinahe ein paneuropäisches Ausmaß erreicht.


