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Gekonnte Dramaturgie der Käsesorten

Beitrag vom 15. November 2025 unter: Pressespiegel

Presse: Artikel vom 13.11.2025, Taunus-Zeitung

Förderkreis Städtepartnerschaft Königstein-Le Cannet veranstaltet wieder Wein-, Käse- und Olivenprobe

Königstein – Cremig liegt der Weichkäse aus Kuhmilch auf der Zunge. Gehaltvoll entfaltet sich ein sahniger Geschmack, hinzutritt eine milde Note von Pilzen. Ob ohne oder mit einem Stück südfranzösischen Baguettes darunter entwickelt sich ein aromatischer Genuss. Den kündigt bereits der Name der sämig verfestigten Milch an: „Délice de Bourgogne“. Platziert zwischen einem kreisrunden Stück Ziegenkäse und zwei weiteren Erzeugnissen aus Kuhmilch, zieht das alabasterartig schimmernde keilförmige Stück die Blicke auf sich. Es enthält gut 75 Prozent Fett dank hinzugefügter Sahne, wie Marie-Charlotte Siepenkort vorn an der Bühne des Hauses der Begegnung erläutert. Ein größeres Teil davon reicht vom Kaloriengehalt an eine veritable Mahlzeit heran. Unter heiteren Gesprächen genossen die deutlich über 100 Gäste der traditionellen Wein-, Käse- und Olivenprobe des Förderkreises Städtepartnerschaft Königstein-Le Cannet die allein optisch verlockend arrangierten Köstlichkeiten.

Aufgrund der über Erwarten hohen Zahl der Anmeldungen habe sich der Vorstand entschlossen, in den großzügigeren Hauptraum umzuziehen, sagte Vorsitzender Alexander Hees. Zum 30. Mal lud der rührige Verein seit 1995 zur Dreierverkostung ein. Ansprechend hatte das Vorbereitungsteam die langgestreckten Tische dekoriert: jeden Platz mit tulpenförmigen Weingläsern ausgestattet, daneben rechteckige Schalen aus Porzellan mit sanft geschwungenen Rändern, runde Körbchen mit den geschnittenen Weißbroten.

Vier Weißweine, zwei Rotweine, vier Käsesorten und zwei unterschiedliche Oliven

Einmal mehr gekonnt die Dramaturgie sowohl der vier Käsesorten als auch der Früchte des Olivenbaums, die erneut Hanne Brill ausgewählt hatte. Zuerst präsentierten beide die milderen, gefolgt von den würzigeren. Der leicht säuerliche „Picandou“ präludierte dem burgundischen Dreifachrahmkäse, dem wiederum ein „Camembert ersten Ranges“ (Siepenkort) aus der Normandie mit dem klangvoll-beseelten Namen „Coeur de Neufchâtel“ folgte. „Dieses Produkt aus dem Schlaraffenland für Weichkäse zählt zu den ältesten in Frankreich, erwähnt um das Jahr 1100“, blickte die Expertin zurück.

Vom Weißschimmel rühre die Würze des nur mit einem Prozent Lab hergestellten Camemberts. „Nussig, mit einem Hauch von Mandeln“ führte Siepenkort den letzten Vertreter der Gattung ein, einen Hartkäse aus dem französischen Jura. Der „Comté“ sei um die 24 Monate gereift, unterstrich sie.

Apulischer Herkunft waren nach Auskunft Brills die beiden Olivensorten, eine grüne und eine violette. Während die größere „Bella di Cerignola“ fast auf der Zunge zerging, erwies sich die in Meerwasser eingelegte „Peranzano“ als merklich bissfester und reicher nuanciert im Geschmack. Erst im 18. Jahrhundert seien beide Sorten aus der Provence kommend in süditalienischen Gefilden heimisch geworden.

Zügig gab Ehrenvorsitzender Reinhard Siepenkort das Signal, die Weinflaschen zu entkorken. Aus dem Tal des französischen Flusses schlechthin, der Loire, stammten sowohl die vier golden im Glas stehenden Sauvignon Blancs als auch die beiden samtroten Cabernets. In welch delikate Geschmacksnoten sich die „klassische Rebsorte“ des Sauvignon je nach Landschaft ihres Gedeihens auffächert, wusste Siepenkort beredt zu berichten. So entfalten sich etwa florale Aromen im „Reuilly“, eines Weines des kleinen Anbaugebiets an der Cher, einem Nebenfluss der Loire.

Demgegenüber zeigte sich der 2023 gelesene „Sancerre“, der auf Lehm, Kalk und Feuerstein erwächst, rassig mit einem Gehalt an Restzucker von unter zwei Prozent. Noch vor der Biegung des Flusses gen Westen bei Orléans liegt dieses „erste große Weinbaugebiet“, führte der direkte Vorgänger Wolfgang Riedels und Vorvorgänger des derzeitigen Vorsitzenden aus.

Weinbau nannte Siepenkort „eine edle Landwirtschaft“, die teilweise nach Altvätersitte ausgeübt werde, Stichwort Lese per Hand. ULRICH BOLLER

Quellenangabe: Taunus Zeitung vom 14.11.2025, Seite 29

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