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Brücken bauen, statt Mauern zu errichten

Beitrag vom 15. Januar 2026 unter: Pressespiegel

Presse: Artikel vom 13.01.2026, Taunus-Zeitung

Königstein – Feste und Feiern bieten Abwechslung im Jahreslauf. Selbstzweck sind sie nach den Worten von Alexander Hees indes nicht. Wenn „schöne Feste und leise Augenblicke“ die Aktivitäten des Förderkreises Städtepartnerschaft im abgelaufenen Jahr geprägt hätten, dann komme darin „gelebte Verbundenheit“ zum Ausdruck. „Reich an persönlichen Begegnungen“ sei 2025 gewesen, hob der Vorsitzende des Vereins hervor, der Grenzen überschreitende Verbundenheit und Partnerschaft im Namen trägt. Zu danken sei das, führte Hees während des Neujahrsempfangs aus, dem Engagement und der Freundschaft zwischen den Menschen Königsteins und der südfranzösischen Partnerstadt Le Cannet.

„Gelebte Verbundenheit“ durchzog, einem Leitmotiv gleich, diesen späten Sonntagvormittag im sonnendurchleuchteten Haus der Begegnung. Musikalisch sprach diesen Gedanken das Sinfonische Orchester der Musikschule Königstein aus mit dem Vorspiel zu Marc-Antoine Charpentiers „Te Deum“. Die „Eurovisionsfanfare“ aus der Zeit des Barock lenkte zugleich den Blick auf die Wurzeln der europäischen Werte und Kultur.

Als Höhepunkte nannte der Vorsitzende den „Europatag“ in Schloßborn, die Teilnahme am Weinfest der Chorgemeinschaft, das sommerliche Lavendelfest sowie die Mitwirkung am Umzug des Königsteiner Burgfestes. „Berge, Wege, Gespräche“ prägten Hees zufolge die deutsch-französische Wanderwoche in Oberstdorf, „am Ende mit dem Gefühl, einander noch ein Stück nähergekommen zu sein“. Partnerschaft entstehe „nicht durch Programm, vielmehr durch gemeinsame Erlebnisse“, sagte er.

Mut machen in Zeiten der Anschuldigungen

Als „Moment von besonderer Tiefe“ benannte Hees den Besuch einer Delegation des Vereins zum Gedenken des Kriegsendes in Le Cannet. „Vor 80 Jahren ging ein Krieg zu Ende, der Europa verwüstet und unzählige Menschenleben gefordert hat. Zwischen Deutschland und Frankreich lagen Hass, Leid und eine Vielzahl von Gräbern.“ Dass heute gemeinsames Erinnern möglich sei, „ist ein großes Geschenk für beide Seiten und zeigt, wie wertvoll unsere Partnerschaft ist“, unterstrich der Vereinsvorsitzende. Dergestalt sei die Verbindung zwischen beiden Ländern, beiden Städten „mehr als ein historisches Projekt“, folgerte er. „Sie ist ein Versprechen: dass wir einander zuhören, dass wir zusammenstehen, dass wir Europa gemeinsam gestalten.“

Partnerschaften zwischen Städten seien „Friedensarbeit im Alltag“. Sie bauten Brücken, wo andere Mauern errichteten, sagte Hees. „Gerade heute, in einer Welt voller Spannungen – Trump im Westen, Putin im Osten – sind sie Diplomatie von unten.“

Voraus blickte Hees auf die Ereignisse des just angebrochenen Jahres: den „Europatag“ in Steinbach (9. Mai), Königsteins Lavendelfest (9. August), die Wanderwoche im Stubaital (7. bis 14. Juni). Grüße bestellen ließ der Vorsitzende des Cannetaner Komitees, François Aigrot. Unter den Gästen begrüßte Hees besonders seine beiden Vorgänger Reinhard Siepenkort mit Ehefrau Marie-Charlotte und Wolfgang Riedel sowie Stefan Nauheim, den Vorsitzenden des Partnerschaftsvereins Kronberg-Le Lavandou.

Ehe die beiden höchsten Repräsentanten der Stadt das Wort ergriffen, intonierte das Bläserensemble den „Chorale St. Antoni“, eine feierliche Hymne, die Joseph Haydn zugeschrieben wurde. Er wünsche „bewusst ein gutes neues Jahr“, sagte Michael Hesse (ALK). Gerade angesichts der aktuellen weltpolitischen Situation mit „gegenseitigen Beschuldigungen und Krieg“ sei es wichtig, „ein wenig Mut zu machen, dass Verständigung möglich ist“, hob der Stadtverordnetenvorsteher und Erste Bürger Königsteins hervor.

Von einem „Wendepunkt in der jüngeren Weltgeschichte“, gleichwohl „keinem guten“, sprach Erster Stadtrat Jörg Pöschl. Globale Vernetzung beschere globale Konflikte, Kriege blieben nicht auf Regionen begrenzt, sondern beträfen „uns alle“, sagte der CDU-Politiker, der Bürgermeisterin Beatrice Schenk-Motzko vertrat. Er warb für ein weiteres ungebrochenes Engagement gerade der Partnerschaftsvereine. Denn es sei weit kostspieliger, Kriege zu führen, als an Verständigung und friedvollen Beziehungen zu arbeiten, strich er in Anlehnung an Theodor Wiesengrund Adorno heraus.

„Freude, schöner Götterfunken“ schloss den Empfang. Die Musik Ludwig van Beethovens auf die Verse Friedrich Schillers fasste dessen Grundgedanken konzis in Wort und Ton. ULRICH BOLLER

Quellenangabe: Taunus Zeitung vom 13.01.2026, Seite 27

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